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Wiener Börse: Verschnaufpause

Von Werner M. Szabó

Wirtschaft

Der Wiener Aktienmarkt legte nach dem wochenlangen Höhenflug eine wohlverdiente Verschnaufpause ein. Die Konsolidierung, wie es in der Börsensprache heißt, war nicht ganz unerwartet, ja sogar notwendig und erwünscht. Eine ständige Aufwärtsentwicklung würde schließlich die Gefahr einer Überhitzung in sich bergen und dann eine um so stärkere Gegenreaktion auslösen. So aber wird einmal stark durchgeatmet, um eventuell Luft für einen neuerlich Anstieg zu holen.


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Die dritte Septemberwoche stand im Zeichen der weiteren Privatisierung der voestalpine und der FTSE-Indexumstellung. Zweifellos hat die voestalpine das Interesse, wenn auch nicht im erwünschten Ausmaß - statt 25% wurden nur knapp 20% abgesetzt -, auf sich gezogen.

OMV wurde in den FTSE Midcap verschoben

Einen negativen Effekt für eine Reihe der in Wien notierten Aktien gab es durch die Indexumstellung der FTSE. Immerhin ist ein Dutzend ATX-Werte aus dem FTSE Midcap herausgefallen. Die OMV wurde von der Spitzenliga Eurotop 300 in den FTSE Midcap verschoben. Das internationale Börsenumfeld wäre trotz der Abschwächung am Freitag durchaus geeignet gewesen, dass auch Wien an den zuletzt gezeigten Aufwärtstrend anschließt. Zahlreiche Börsen markierten in vergangenen Woche neue Jahreshöchstwerte. Ungebrochen ist bei den Investoren der Konjunkturoptimismus, der immer wieder neuen Nährboden in Indikatoren findet, die besser als erwartet ausfallen.

Die in Wien gehandelten Volumina waren in der abgelaufenen Woche zwar deutlich geringer als zuletzt, lagen aber immer noch um gut 10% über dem Jahresdurchschnitt. Die höchsten Umsätze verzeichneten voestalpine, gefolgt von BA-CA, Erste Bank und Telekom Austria.

Der ATX beendete die Berichtswoche mit 1.365,78 Zählern um 1,03% unter der Vorwoche. Der WBI als Indikator für den Gesamtmarkt ist hingegen um 0,92% auf 568,72 Punkte angestiegen. Im Vergleich zu Wien hat sich der Euro Stoxx 50 um rund 1,5% erhöht und der DAX um rund 2,5%.

Die größten Gewinner im prime market waren überraschend Austrian Airlines (+6,4%) und der internationale Sportartikelerzeuger Head (+5,5%). Freundlicher präsentierten sich auch Wolford (+4%), Topcall (+3,7%, nach +10,9% in der Vorwoche) und Rosenbauer (+3%). Die Kursrückgänge hielten sich allgemein in Grenzen. So waren RHI mit minus 3,4%, BETandWIN.com mit minus 3,1% und Böhler-Uddeholm mit minus 3% die größten Verlierer. VA Tech, BWT, Andritz und Schoeller-Bleckmann gaben zwischen 2% und 3% nach. UNIQA zogen unmittelbar nach Bekanntgabe der Akquisition der Österreich-Tochter des deutschen Nürnberger Versicherungskonzerns an, gaben die Gewinne aber rasch wieder ab. BA-CA korrigierten etwas und scheinen bei 31,40 Euro Boden gefunden zu haben. Das Investmenthaus Merrill Lynch hatte die Aktie in einer Erstanalyse mit "neutral" eingestuft. OMV tritt derzeit auf der Stelle. Leicht abgeschwächt hat sich auch Erste Bank, obwohl Vorstandsvorsitzender Andreas Treichl beim Investorentag verkündete, dass heuer eine Erhöhung des Jahresüberschusses um zumindest 25% erwartet werde. Der prime market wurde am Freitag mit Eybl um einen weiteren ehemaligen Wert der Nasdaq Europe bereichert. Die Aktie startete mit 15,94 Euro und schloss den ersten Börsentag mit 16,40 Euro.

Bei den im standard market zu fortlaufenden Kursen gehandelten Aktien setzten SW Umwelttechnik ihren Höhenflug mit einem Plus von 10,4% (Vorwoche: +11,9%) weiter fort und markierten mit 21 Euro ein neues Jahreshoch. Bei den im gleichen Marktsegment gelisteten Titeln zu Einheitskursen stiegen Ottakringer Stamm um über 30% und erreichten mit 68 Euro fast wieder das Jahreshoch von Ende August (70 Euro).

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse".