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Wiens bester Juli

Von Helmut Dité

Politik

Vor allem aus den USA, Italien und Spanien kamen mehr Gäste - und in den Golfstaaten ist Wien derzeit gefragter als London.


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Wien. In Wien sind im heurigen Juli 1,279.000 Gästenächtigungen registriert worden - das bedeutet einen Zuwachs von 7,4 Prozent gegenüber dem Juli 2013, auch der bisherige Juli-Rekord aus dem Jahr 2012 wurde übertroffen. Vor allem zweistellige Zuwachsraten bei den Gästen aus den USA, aus Italien und Spanien sowie aus Österreich sorgten für den Rekord, auch die Märkte Deutschland, Großbritannien, Schweiz und Frankreich haben sich positiv entwickelt. Der befürchtete Rückgang bei Nächtigungen von Gästen aus Russland hielt sich mit minus zwei Prozent in Grenzen, mit minus neun Prozent war er im Fall Japan signifikanter.

Uneinheitlich entwickelten sich die Nächtigungen aus den arabischen Ländern: Einem starken Rückgang aus Saudi Arabien, das im Juli nur 5000 Nächtigungen lieferte (minus 21 Prozent), standen trotz Ramadan starke Zuwächse aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (7000, plus 27 Prozent), aber auch aus anderen Ländern der Region gegenüber - trotz Ramadan.

Wiens Tourismus-Direktor Norbert Kettner fragte bei den großen Reiseveranstaltern nach: Viele Gäste aus den Golfstaaten, die eigentlich erst nach dem Fastenmonat nach Wien reisen wollten, hätten vorverlegt, hieß es dort, weil Wien für den August schon ausgebucht war. Kettner erwartet nun auch für den Rest des Jahres und in der kommenden Saison mehr Gäste aus den Golf-Staaten.

Höhere Kapazitäten auf den Flügen der Golf-Airlines

Neue Flugverbindungen - etwa Niki nach Abu Dhabi - oder aufgestockte Kapazitäten - bei Qatar Airways und Emirates - sowie die ab dem kommenden Jahr praktisch ohne Visum mögliche Einreise der Touristen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Schengenraum sollten Wien zugute kommen, meinte Kettner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Momentan ist Wien dort sogar gefragter als die frühere Lieblingsdestination London, sagen mir die großen Reiseveranstalter etwa in Abu Dhabi und Dubai."

Schwierig bleibe die Situation in Russland, räumte Kettner ein: "Aber wir hoffen, dass sich die Situation beim derzeitigen Trend einpendelt." Nach dem großen Einbruch im Mai gab es zuletzt mit minus vier Prozent im Juni und minus zwei Prozent im Juli wieder erfreulichere Ergebnisse. Kettner verwies darauf, dass zuletzt einige große russische Reiseveranstalter in Konkurs gegangen seien: "Das lässt auch auf die wirtschaftliche Situation schließen." Vor allem der schwache Rubel, der sich derzeit nicht zu erholen scheine, sei ein Problem, betonte der Chef-Touristiker. Der Konflikt in der Ukraine wirke sich hingegen offenbar nicht unmittelbar aus: Die Zahl der Nächtigungen ukrainischer Gäste ist zuletzt sogar gestiegen.

Die Entwicklung in Russland zeige jedenfalls: "Es gibt keine Trends, auf die man sich verlassen kann." Dem großen Markt Russland mit seinen überdurchschnittlich ausgabefreudigen Touristen will man sich weiterhin intensiv widmen, im Herbst ist der Wiener Tourismusdirektor wieder auf Werbetour nach Moskau unterwegs.

Wie bereits im Vorjahr rückte auch heuer im Juli China in die Top-Ten-Liste bei den Wien-Besuchern auf, obwohl sein Ergebnis von 33.000 Nächtigungen für diesen Monat um zwei Prozent niedriger war als 2013. Erfreulich stark gestiegen ist hingegen das Aufkommen aus zwei Märkten, um die sich der Vienna Tourist Board zuletzt verstärkt bemühte: Südkorea (20.000 Nächtigungen, ein Plus von 21 Prozent) und Indien (9000, plus 53 Prozent).

Vom Nächtigungszuwachs im Juli profitierten laut Wien-Tourismus alle Kategorien der Wiener Hotellerie - mit Ausnahme der Fünf-Sterne-Häuser. Die durchschnittliche Bettenauslastung erhöhte sich gegenüber dem Juli 2013 um drei auf 60,3 Prozent, obwohl Wien im Juli rund 61.000 Hotelbetten anzubieten hatte - um 1200 mehr als ein Jahr davor.

Auch das Gesamtjahr bilanziert bisher positiv: Im Zeitraum Jänner bis Juli gab es heuer mit insgesamt 7,284.000 Nächtigungen ein Plus von 6,1 Prozent im Vergleich zu 2013. Der bisher erst für die ersten sechs Jahresmonate 2014 vorliegende Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Hotellerie ergibt einen Halbjahresrekord: Mit 295,3 Millionen Euro wurde der Vergleichswert von 2013 um 8,8 Prozent übertroffen.

"Ich warne vor überbordender Goldgräberstimmung"

Im Außenauftritt der Bundeshauptstadt wird der Song-Contest natürlich eine wichtige Rolle spielen, wie Kettner am Freitag im Gespräch mit der APA ankündigte. Eine entsprechende Kampagne dazu mit dem Slogan "Proud Host Of Song Contest" werde im März starten. Insgesamt sei der Event - das Finale geht am 23. Mai in der Stadthalle über die Bühne - natürlich eine "unbezahlbare" weltweite Werbung für Wien. Gleichzeitig warnt Kettner aber auch vor zu großer Euphorie: "Wie viele zusätzliche Nächtigungen das bringt, kann man seriös nicht voraussagen." Und er hofft auf Augenmaß bei den Hoteliers: "Ich warne vor einer überbordenden Goldgräberstimmung. Weil die Erfahrung zeigt schon auch, dass man oft mit einer großen Euphorie reingeht, sich gewisse Preise aber am Ende des Tages nicht realisieren lassen." Und: Vor allem in der Innenstadt sollten die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet sein, plädiert Kettner erneut.