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Wiens Tourismus-Formel

Von Ina Weber

Politik

Tourismusverband und Stadt Wien stecken sich hohes Ziel bis 2020: Eine-Milliarde-Grenze bei Hotellerie-Umsatz "knacken".


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Wien. Landestourismusdirektor Norbert Kettner setzt sich ein ehrgeiziges Ziel. Bis zum Jahr 2020 soll es in Wien um 5 Millionen mehr Nächtigungen als im Jahr 2013 geben, um 400 Millionen Euro mehr Nettonächtigungsumsatz der Hotellerie und um 20 Metropolen mehr als heute, aus denen Wien direkt angeflogen werden kann. Diesen Wunsch gießt er sogleich in eine Formel: "5 x 400 + 20 = 2020", sagt er am Dienstag im Rahmen eines Pressegespräches mit Bürgermeister Michael Häupl und Vizebürgermeisterin Renate Brauner.

Warum sie sich dieses ehrgeizige Ziel gesetzt haben, wird in der umfassenden Broschüre "Tourismus Strategie 2020" kurz erklärt: Wien müsse dem weltweit vorherrschenden Trend zum Städtetourismus Rechnung tragen und die Stadt weiter attraktiviert werden. Immerhin steure die Tourismuswirtschaft jährlich 3,23 Milliarden Euro zu Wiens Bruttoregionalprodukt bei. Und jede Million Euro, die die Besucher hier ausgeben, schafft laut Brauner elf neue Vollzeitarbeitsplätze.

Die derzeitige Hotellerie-Situation in Wien sieht laut Tourismus-Direktor Kettner gut aus. Die Auslastung der Häuser liege bei 70 Prozent. "Das ist gut", sagt er zur "Wiener Zeitung". Es würden permanent neue Hotelanlagen gebaut. Auch in den kommenden Jahren würden laufend neue Gästehäuser entstehen. Im Jahr 2013 gab es 12,7 Millionen Nächtigungen. Der Nächtigungsumsatz der Hotellerie lag bei 608,9 Millionen Euro. Bei der Erreichung der Ziele des Konzepts 2015 sei der Wiener Tourismus damit über dem Plansoll.

Erreicht werden soll das hochgesteckte Ziel unter anderem mit einer Preiserhöhung der Hotels. "Wien hat ein günstiges Preisniveau", sagt Kettner, "da ist noch Luft nach oben hin." Die Nächtigungspreise würden bei 90 bis 100 Euro pro Nacht pro Zimmer liegen - hier seien jedoch alle Kategorien enthalten.

Wiens Hotel-Preise steigen

In Wien werden demnach die Hotelpreise in den nächsten Jahren nach oben gehen. Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie ist für Kettner die Akquisition von Fluglinien. "Wir gehen direkt in die Akquise hinein", sagt er. Eine Kooperation mit dem Flughafen soll möglichst viele Direktflüge- und Anschlüsse nach Nord-, Mittel-, und Südamerika, Asien und Europa bringen.

Die Stadt will vor allem mit ihrem Motto "smart" als "intelligente Stadt" werben. Die Touristenzonen sollen sich in Zukunft nicht mehr nur auf die Innere Stadt oder den bereits bekannten Attraktionen beschränken. Man will den Bogen weiter spannen; vom neuen Quartier Belvedere bis zur Seestadt Aspern sollen neue Tourismus-Orte geschaffen werden.

"Wir können nicht mit dem größten Haifischbecken und auch nicht mit dem größten Einkaufszentrum punkten", sagt Kettner, "wir können aber mit unserer Smart City locken." Dafür werden derzeit digitale Strategien erarbeitet. Die Wiener Stadtwerke arbeiten am Projekt "smile", einer Mobilitätsmanagement-Plattform, die Touristen umfassende Informationen zu verfügbaren Verkehrsmitteln und deren Bezahlung zukommen lässt. Auch das Angebot an Mobilität und Service in der Stadt soll mit mehrsprachigen Infopoints mit Touchscreen-Terminals erweitert werden.

Von der Jugendherberge bis zum Fünfsterne-Hotel, vom Würstelstand bis zum Hauben-Restaurant - Kettner will in allen Kategorien "Premium" sein. Dafür hat sich der Tourismusverband in einer globalen Umfrage mit dem Titel "Jetzt oder nie: Ihre Idee für #Wien2020" Anregungen aus der ganzen Welt geholt.

Klaviere in öffentlichen Parks

Hans V. aus Dänemark kennt Wien durch den Film "Der dritte Mann". Er möchte geleitet nur vom Smartphone über das schaurige Wien informiert werden. Deborah C. aus Syrien schlägt vor, dass Gäste nicht nur Souvenirs mitnehmen können, sondern auch persönliche Mitbringsel in einem Museum of Souvenirs ausstellen können. Und Angie S. aus Österreich wünscht sich, dass in Parks oder auf Plätzen oder an Busstationen Klaviere aufgestellt werden, wo jeder, der sich berufen fühlt, auch spielen kann.

Fairness wünscht man sich im Beherbergungsbereich. Für Privatvermietungen wie Airbnb oder 9flats sollten "die gleichen Regeln gelten", heißt es, gleiche Auflagen, Vorschriften und Abgaben, werden gefordert. Seit 2013 zahlen Privatvermietungen aufgrund einer Neuauflage bereits Ortstaxe. Wien soll noch attraktiver werden - auch als Drehort für Filme wie zuletzt "Mission Impossible".