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Wikileaks und das Kondom

Von Peter Bochskanl

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Zwei spannende Sonntagsdiskussionen bei Ingrid Thurnher in ORF 2 und Anne Will im ARD. Trotz teilweiser hochstehender Beiträge konnte sich die Runde in Wien erwartungsgemäß nicht zu einer gemeinsamen Interpretation der Kondom-Passage des neuen Papst-Buches finden. Aber sie lieferte beachtenswerte Denkanstöße für eine mögliche Entscheidung von Zusehern, ob dies nun eine Öffnung der katholischen Kirche sei oder nur ein Ablenkungsmanöver von einer verschärft konservativen Haltung Roms. Dem wurde die flapsige Zusammenfassung von Thurnher wohl nicht gerecht, die meinte, es herrsche nun "Ratlosigkeit, was man mit dem Text des Papstes anfangen soll, vielleicht klärt er uns demnächst selbst auf".


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Auch in der deutschen Runde stießen die Meinungen kontrovers aufeinander: Leitet die massenhafte anonyme Veröffentlichung von Geheimdokumenten durch Wikileaks eine Informationsrevolution ein, die Skandale und Missstände aufdeckt und es Regierenden verunmöglicht, die Bevölkerung zu belügen? Oder trägt die unbewertete Faktenflut nur zu Verunsicherung und Missbrauch durch Sensationsmedien bei, ja gefährdet sie sogar in den Dokumenten genannte Personen? Auch hier gab es natürlich keine eindeutige Antwort. Aber die Diskussion vermittelte doch Unbehagen mit den in fast jeder Hinsicht grenzenlosen Möglichkeiten des Internet und die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Journalismus, der solche Dokumente auf ihren Wahrheitsgehalt prüft, bewertet und in einen größeren Zusammenhang stellt. In der Büchse der Pandora war ja auch die Hoffnung.