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Willkommen in der Popkultur!

Von Christina Böck

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Nun ist er also auch ein Superheld. Am Dienstagabend verbreitete sich auf den sozialen Medien ein Graffito, das offenbar in einer Gasse nahe dem Petersdom in Rom zu sehen ist. Es zeigt Papst Franziskus, wie er in Superman-Manier fliegt, mit wehender Soutane, Faust voraus. Gutes Timing. Denn am selben Abend wurde auch das neue Cover des US-Magazins "Rolling Stone" veröffentlicht. Das ist ein Popkultur-Magazin, auf dem normalerweise Lady Gaga sich in Seifenblasen räkelt oder Miley Cyrus sich neckisch selbst die Schulter ableckt. In der aktuellen Ausgabe aber lächelt keck vom Cover: Papst Franziskus. Der dazugehörige Artikel trägt den Titel "The Times They Are A-Changing". Das ist der Titel eines Songs von Bob Dylan, und es steht einem Popkulturmagazin gut zu Gesicht, die beiden sanften Revoluzzer zu verbinden. Die wahre Revolution ist freilich, dass Franziskus es in den "Rolling Stone" geschafft hat. Der ist zwar an politischen Themen interessiert -ins Gerede geriet er, als er den Boston-Bomber auf dem Titelblatt hatte -, aber so unsexy Themen wie die katholische Kirche und ihre Entwicklung stehen da üblicherweise nicht Schlange. Es besteht kein Zweifel mehr, das ist ein Papst, der für cool gehalten wird. Das kann für die Erneuerung der Kirche dienlich sein - wenn man im Vatikan und seinen Kommunikationsabteilungen damit umgehen kann. Es war beispielsweise nicht ganz ungewagt, das Foto vom Graffito offiziell verbreiten zu lassen. Der Grat zwischen lustig und banal ist schmal. Aber im Zweifelsfall ruft er eh an, der Papst, und sagt, wie es wirklich gemeint war. Und zwar jeden.