)
Für dreiste Lügen verleiht Deutschland inzwischen einen Negativ-Award. | VKI-Dauerbrenner: Lebensmittel und Mobilfunker. | Wien. "Machen’S mir halt irgendwas mit Apfelsaft", scheint die Firma Carlsberg zur Werbeagentur gesagt zu haben. Herausgekommen ist die in Deutschland erhältliche "Bio Erfrischung": "Beo Heimat Apfel & Birne" aus "rein natürlichen Zutaten". Dass die Werber das Produkt jemals gesehen haben, scheint fraglich. Laut dem deutschen Verband Foodwatch sind in der Limonade gerade einmal 5,5 Prozent Bio - in Form von Zucker und Gerstenmalzextrakt. Der Rest sind Aromen. Äpfel oder Birnen hat der Saft noch nie gesehen.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Eine Frechheit, findet Foodwatch. Dessen Chef Thilo Bode war bis 1995 für Greenpeace Deutschland zuständig und verschreibt sich nun ganz dem Wachrütteln von Konsumenten. Sie sollen sauer werden, so Bode, nur dann werden die Unternehmen einlenken und weniger frech werben. Öffentlichkeitswirksam hat Bode vergangenes Jahr zum ersten Mal den "Goldenen Windbeutel" ausgelobt, für die dreisteste Werbelüge. Damals räumte Actimel ab. Heuer nominierte eine prominente Jury aus Schauspielern und Moderatoren unter anderem den Carlsberg-Drink "Beo Heimat". Auch der "Gelbe Tee Zitrone Physalis" von Pfanner ist ein Kandidat. Die exotischen Physalis-Früchte, die groß auf der Verpackung zu sehen sind, seien in dem Tee (der nur zu 15 Prozent aus gelbem Tee besteht) nicht enthalten. Dafür aber 47 Stück Würfelzucker im 2-Liter-Pack, sagt Foodwatch. Auf www.abgespeist.de/der_goldene_windbeutel_2010 können Konsumenten bis zum 22. April auf der Kampagnenseite mitstimmen.
VKI-Homepage listet leere Versprechen auf
Derartig interaktiv ist man in Österreich noch nicht. Allerdings hat sich der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Ende Februar dazu entschlossen, wöchentlich auf der Homepage www.konsument.at die dreistesten Lebensmittelprodukte in den heimischen Regalen zu untersuchen. Etwa Frischkäse mit Lachs, in dem der Fisch, anders als sein Aroma, kaum zu finden ist, oder Fruchtschnitten aus Saftkonzentrat, die mit Früchten auf der Verpackung einen gesünderen Inhalt suggerieren. Das Argument der Konzerne: "In den Inhaltsangaben steht es ohnedies dabei". Konsumentenschützer halten dagegen, dass sich kaum jemand die Zeit nimmt, alles durchzustudieren.
Wenn die Werbeversprechen zu sehr die Grenze der Wahrheit in Richtung Dichtung überschreiten, hat der VKI seit 2001 zusätzlich die Möglichkeit, mittels Verbandsklage die Unternehmen vor Gericht zu zerren. Dann können sie die Unterlassung dieser Werbelinie durchsetzen. "Lebensmittel sind von Anfang an ein Thema gewesen", berichtet Ulrike Docekal, VKI-Expertin für irreführende Werbung. Sie erinnert an jene Eier aus Käfighaltung, die mit Fotos von Hühnern auf Wiesen auf der Verpackung den Eindruck erweckt haben, dass es sich um Freilandeier handle. Schon bald, 2002, sind allerdings die Klagen gegen Mobilfunker dazugekommen, die ein Dauerbrenner bleiben. Etwa dass man in einem bestimmten Handytarif um null Cent telefonieren kann - allerdings nur, bis die 1000 Freiminuten aufgebraucht sind. Das zu erwähnen, wurde in der Werbung vergessen.
Die Palette der Produkte, die unter die Lupe genommen werden, erweitert sich ständig, Banken wurden ebenso abgestraft wie Möbelhäuser, die Zinsen für Kredite verheimlichten.
Zuletzt machte der VKI auf die nicht eingehaltenen Versprechen der mobilen Breitbandanbieter aufmerksam, wo sich beispielsweise ab der Hälfte des versprochenen Download-Volumens die Ladezeiten verdoppeln. Derzeit hat der VKI eine Klage gegen den Lebensmittelhändler Billa anhängig, der mit minus 25 Prozent auf Produkte an gewissen Tagen geworben hat. Dass die Aktion nur für Vorteilsmitglieder war, wurde nur im Kleingedruckten ausgeschildert. "Der Konzern hat die Werbung zwar seit Klagseinbringung umgestellt, trotzdem besteht Wiederholungsgefahr. Das heißt, wir wollen es ausjudizieren", erklärt die Juristin Docekal.
)
)
)
)