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"Wir brauchen die EU"

Von Cathren Landsgesell

Politik

Beim dritten Videowettbewerb der "Wiener Zeitung" für Schüler geht es um Europa. Diesmal sollen die jungen Teilnehmer der Future Challenge einen Werbespot drehen, der Jugendliche dazu bringt, im Mai zur EU-Wahl zu gehen.


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Die EU-Wahlen auszulassen, kommt für Theresia Mörwald und Simon Schneider nicht in Frage. Sie sind 16 Jahre alt; die Wahl zum EU-Parlament im Mai 2019 ist die erste politische Wahl, bei der die beiden Schüler der HTL Krems ihre Stimme abgeben können.

Theresia Mörwald, 16, HTL Krems, Krems: "Die EU ist wichtig, weil wir als Gemeinschaft unterschiedlicher Länder mehr erreichen können als ein Land allein."

"Man trägt immer zum Wahlergebnis bei - auch wenn man seine Stimme nicht abgibt. Dann bekommt man ein Ergebnis, das man vielleicht nicht will", argumentiert Theresia. "Ich gehe auf jeden Fall wählen", sagt ihr Schulkollege Simon. Er ergänzt:  "Es ist super, dass es bei der Future Challenge diesmal darum geht, wie man Bürger zur Wahl bringt."

Werbevideo zur EU-Wahl

Theresia Mörwald und Simon Schneider werden auch bei der Future Challenge der "Wiener Zeitung" mitmachen. In diesem Jahr geht es um das Thema "Europa". Die Schüler sollen ein Video drehen, das andere Jugendliche dazu bringt, an den Wahlen zum EU-Parlament teilzunehmen.

Diese Future Challenge ist die dritte der "Wiener Zeitung". Der jährliche Videowettbewerb ist für Schüler ab der 8. Schulstufe und Lehrlinge gedacht, die zu einem bestimmten Thema ein kurzes Video drehen. Die drei besten Videos werden durch Voting auf YouTube und eine Fachjury ermittelt und ausgezeichnet. Die "Wiener Zeitung" vergibt außerdem den Special Award der Redaktion.

Nach den Themen "Flucht" und "Leben 2030" geht es diesmal unter dem Titel "#europa4me" um die Europäische Union: Im Mai 2019 stehen die EU-Wahlen an, und die Schüler sollen einen Werbespot drehen, der andere junge Menschen motiviert, ihre Stimme abzugeben.

Simon Schneider, 16, HTL Krems, Krems: "Europa bedeutet, in Krisen zusammenzuhalten, auch wenn die vielen Länder verschiedene Ziele haben und es schwer ist, sich zu einigen."

In Österreich betrug die Wahlbeteiligung bei der vergangenen EU-Wahl lediglich 45,4 Prozent. "Wir glauben, dass das Interesse an der EU steigt, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt. Dazu möchten wir den Schülern und Schülerinnen eine kreative Gelegenheit geben und zeigen, dass es sich lohnt, sich in den politischen Diskurs einzubringen", sagt Martin Fleischhacker, Geschäftsführer der "Wiener Zeitung".

Europa anschaulich machen

Lisa Graf unterrichtet die Klasse von Theresia und Simon an der HTL Krems in Deutsch. Sie hat insgesamt vier Klassen zur diesjährigen Future Challenge angemeldet und ist schon zum zweiten Mal bei dem Videowettbewerb dabei.

Lisa Graf wird "natürlich" zur Wahl gehen. "Ich finde das Thema der Future Challenge absolut wichtig und zeitgemäß", sagt die Deutschlehrerin. Ich hoffe, dass die EU durch die Arbeit an den Videos interessanter für die Jugendlichen wird und es gelingt, die EU in ihre Lebenswelt zu holen", meint sie.

Philipp Wagner, 19, HAK 10, Wien: "Wahlen sind sinnlos, wenn niemand wählt. Man sollte jede Chance zur Mitsprache nutzen. Es ist ein Privileg, dass wir in der EU in Freiheit und Demokratie leben."

Jugendliche wie Philipp Wagner müssen von der Relevanz der EU nicht erst überzeugt werden. Die EU, meint der 19-Jährige, habe unter anderem ein Kommunikationsproblem: "Konflikte, ihre Prävention und ihre Lösung sind wichtig. Die EU sollte mehr wie eine Mediatorin auftreten, sodass die Mitgliedsländer dieselbe Chance bekommen, gehört zu werden." Philipp besucht die BHAK 10 in Wien, eine Schule, die sich intensiv darum bemüht, die EU für ihre Schüler erlebbar zu machen: Abschlussklassen besuchen Straßburg oder Brüssel; die Schule ist Teil des Netzwerks "Europa in der Schule" und nimmt am Erasmus-Programm teil; sie unterstützt die Aktion "Diesmal wähle ich" und organisiert Veranstaltungen, bei denen die Schüler direkt in Kontakt mit EU-Parlamentariern und EU-Funktionsträgern kommen.

Die BHAK 10 nimmt auch an der Future Challenge der "Wiener Zeitung" teil. "Wenn man über die EU spricht, muss man zeigen, was das konkret bedeutet und welche Chancen die EU jungen Menschen bietet. Bei uns sind Mobilität und Auslandskontakte die ganz großen Themen. Durch Programme wie Erasmus haben unsere Schüler die Chance, zu erleben, wie man in anderen Ländern lebt und arbeitet, wie dort die Wirtschaft funktioniert", sagt Direktor Jörg Hopfgartner.

Ein Freiheitsverspechen

Erst Ende November hat die BHAK Wien 10 eine Podiumsdiskussion über Europa in Wien organisiert, die via Livestream auf Facebook an alle HAK übertragen wurde. Das Thema: "Europa - Chance und Möglichkeit für mich". Die Schüler hatten dort Gelegenheit, mit der EU-Parlamentarierin Evelyn Regner (SPÖ) und dem ehemaligen Vizekanzler Erhard Busek (ÖVP) über die EU zu diskutieren. In der lebhaften Debatte kam die EU bei den Schülern auffallend gut weg: Die offenen Grenzen, die Möglichkeit zu reisen und überall in Europa arbeiten zu können, wurden als die großen Pluspunkte der EU thematisiert, die die anwesenden Schüler begeisterten.

Der Moderator Benedikt Weingartner von der Plattform "Europa:Dialog", die heuer der Hauptpartner der Future Challenge der "Wiener Zeitung" ist, sieht die Begeisterung der jungen EU-Bürger positiv: "Wenn man mit Jugendlichen spricht, spürt man deutlich, wie selbstverständlich die EU für sie ist. Wir wollen darüber hinaus mit Veranstaltungen im Rahmen von ‚#europa4me‘ bewusster machen, welche Bedeutung Europa für die konkrete persönliche Lebensplanung hat und einem Diskurs darüber anregen."

Anatol Schmidt, 18, VBS Floridsdorf, Wien: "Nicht die EU braucht uns, sondern wir brauchen die EU, um unsere Probleme lösen zu können, etwa im Bereich Digitalisierung."

Anatol Schmidt, Schüler an der Vienna Business School in Floridsdorf in Wien und Podiumsteilnehmer bei der Veranstaltung der HAK 10, sieht hier großen Bedarf: "Man kann die Probleme der EU - Brexit, Rechtsextremismus usw. - nur bewältigen, wenn man einen regen Diskurs darüber anregt und miteinander arbeitet. Nicht die EU braucht uns, sondern wir brauchen die EU, um unsere Probleme zu lösen."

Zu den dringlichsten Problemen der EU zählt der Schüler neben dem Rechtsruck vieler europäischer Regierungen unter anderem die Digitalisierung und den drohenden Verlust von Jobs. "Da brauchen wir eine gemeinsame europäische Forschung", so Anatol Schmidt. Aber auch der Klimawandel ist aus seiner Sicht eine Herausforderung: "Wir müssen akzeptieren, dass durch den Klimawandel immer mehr Menschen zu uns fliehen müssen. Wir müssen sie aufnehmen - wo sollen sie sonst hin?"

Jeweils rund 70 Schülergruppen haben bei den vergangenen beiden Future-Challenge-Wettbewerben mitgemacht. Die Redaktion der "Wiener Zeitung" würdigt eines der Wettbewerbsvideos mit einem Special Award. "Wir wünschen uns, dass auch die Medien und der kritische Umgang damit Themen für die Schüler und Schülerinnen werden", erklärt "Wiener Zeitung"-Chefredakteur Walter Hämmerle. "In Zeiten von Social Media, Fake News und Hasskampagnen ist Medienkompetenz unverzichtbar."

Mitmachen ab der 8. Schulstufe

Jasmin Sembera, 19, VBS Floridsdorf, Wien: "Ich bin zu- versichtlich, dass die EU ihre Probleme löst, weil sie es muss. Die nationale Ebene ist den Herausforderungen nicht gewachsen."

Jasmin Sembera, ebenfalls Schülerin der VBS Floridsdorf in Wien, fordert mehr Transparenz von der EU: "Es ist wichtig, angesichts dieser verbreiteten EU-Skepsis die positiven Seiten der EU zu beleuchten. Zugleich muss die EU aber auch die Diskussionen transparenter machen und zeigen, wie Entscheidungen in der EU eigentlich zustande kommen." Die Frage, ob die EU mit China und den USA wirtschaftlich und technologisch mithalten kann, beschäftigt die Schülerin ebenso wie der Klimawandel: "Die nationale Ebene ist den Herausforderungen nicht gewachsen."

Anmeldungen zur Future Challenge sind für alle Lehrlinge sowie Schüler ab der 8. Schulstufe österreichweit möglich. Wer als Lehrkraft eine Klasse oder Projektgruppe anmelden möchte, kann dies sofort tun. Videos können bis zum 18. März 2019 eingereicht werden.