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"Wir brauchen eine mutige Regierung"

Von WZ-Korrespondent Ferry Batzoglou

Politik

Erzbischof wirft der EU vor, auf Zyperns Gasvorkommen zu spitzen.


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"Wiener Zeitung": Sie gelten als Erzbischof und Oberhaupt der zypriotisch-orthodoxen Kirche in den Augen vieler Beobachter als mächtigster Mann auf Zypern. Woran liegt das?

Chrysostomos II.: Die Kirche ist die älteste Institution hier auf Zypern. Sie existiert seit mehr als 2000 Jahren. Regierungen kommen und gehen.

Wie würden Sie die augenblickliche Lage auf Zypern beschreiben?

Wir befinden uns in einer inakzeptablen Situation.

Wie konnte das passieren?

Dafür trägt die Regierung die Verantwortung. Sie hat keine Maßnahmen ergriffen, als die Rezession ihren Anfang nahm. Ich habe persönlich der Regierung gegenüber den Finger in die Wunde gelegt. Sie hat nur mit Missfallen darauf reagiert. Sie war weder aufnahme- noch lernfähig.

Was haben Sie Ihr konkret gesagt?

Dass die Banken kein Geld, sondern Zeit brauchen. Wir sind wegen der kommunistischen Kultur des Staats- und Regierungschefs (Dimitris Christofias, Anm.) in diese prekäre Lage geraten.

Heißt das, dass Sie bei der Wahl Herrn Anastasiadis unterstützen?

Ich glaube, Anastasiadis ist der Einzige, der in diesem Moment dem Volk dienen und diese schwierige Situation meistern kann.

Was muss sich auf Zypern ändern?

Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage flößt mir persönlich keine echte Angst ein. Uns geht es nicht so schlecht wie Griechenland. Griechenland ist in allen Bereichen abgestürzt - hier haben die meisten Branchen hingegen gute Perspektiven. Unserem Tourismus wird es wegen der Probleme im Mittleren Osten in den kommenden vier, fünf Jahren besser gehen. Auch mit unserer Schifffahrt geht es wegen der Steuererleichterungen weiter aufwärts. Auf unserer Insel gibt es zudem viele Off-Shore-Firmen, die - Gott sei Dank - viele Milliarden Euro anlocken und Arbeitsplätze schaffen. Nur die Bauwirtschaft ist zusammengebrochen. Denn die Briten haben hier wegen der Krise plötzlich keine Ferienhäuser mehr gekauft. Aber jetzt sind die Russen und die Chinesen da und die Baubranche blüht wieder.

Und noch etwas: Das zypriotische Volk war in der Vergangenheit verschwenderisch, die Zyprioten können aber auch sehr sparsam leben. Wir können diese Krise überwinden. Ich bin sicher, dass wir die Krise überwinden werden. Wir brauchen eine mutige Regierung, die das Vertrauen des zypriotischen Volkes genießt.

Insbesondere Berlin sträubt sich dagegen, Ihrem Land 17,5 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm zu bewilligen, weil Zypern Geldwäsche nicht energisch genug bekämpfe. In Zypern werde russisches Schwarzgeld gewaschen, so der Vorwurf. Was sagen Sie dazu?

Die anderen EU-Mitglieder sollen mal bitte nicht die Heiligen spielen. Geldwäsche gibt es überall: In Deutschland, in England, in Frankreich. Geldwäsche im großen Stil gibt es anderswo. Was bei uns passiert, sind Krümel. Wenn Sie Fragen in Sachen Schwarzgeld und Geldwäsche haben, dann fragen Sie mal am besten Herrn Schäuble.

Warum dann die Vorwürfe?

Die Europäer wollen unseren Bankensektor zerstören. Und sie greifen auch nach unseren kürzlich entdeckten Gasvorkommen. Wir als Kirche werden das nicht zulassen.