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"Wir, die wir nicht in den Favelas Brasiliens geboren worden sind, haben eine soziale Schuld gegenüber jenen, die dort leben". Frei Betto, persönlicher Berater des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio "Lula" da Silva, hofft auf eine "andere", gerechtere Welt und glaubt, dass eine solche auch möglich ist.
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In Brasilien - fünftgrößter Nahrungsmittelproduzent der Welt - ist laut Betto nicht Mangel das Problem. "Das Problem ist die ungerechte Verteilung", erklärte Betto im Rahmen der 25-Jahres-Feier der Nichtregierungsorganisation "Südwind" vor wenigen Tagen in Wien. 53 Millionen Menschen leben in Brasilien in chronischer Unterernährung. "Unsere Empörung über den Hunger ist noch viel zu gering, deshalb spreche ich darüber", sagte Betto. Er stelle sich die Frage, weshalb es so wenig Engagement gegen den Hunger gebe. Seine einzige Antwort sei eine "zynische": Hunger sei neben Krankheit, Verkehrsunfällen, Krieg und Terrorismus die einzige Todesursache, die einen Unterschied zwischen den sozialen Schichten mache. "Es gibt viele Leute, die vollkommen glücklich sind auf der Welt, die sich auch keine Sorgen über das Schicksal anderer machen".
Aber auch Absichten allein seien zu wenig, es müssten Taten folgen, meinte Betto. In Brasilien ist der Befreiungstheologe, der während der brasilianischen Militärdiktatur einige Monate im Gefängnis saß, Sonderbeauftragter des Präsidenten für das "Null-Hunger-Programm" ("Fome zero"). Es gehe nicht nur darum, Lebensmittel zu sammeln und an Menschen zu verteilen. Familien würden zwar Zuschüsse erhalten, wesentlich sei aber auch eine Veränderung der Strukturen, wie etwa eine Reform des Agrarbereichs. Ein Ziel Lulas sei auch die Mobilisierung der Zivilgesellschaft, sagte Betto: "Die Zivilgesellschaft ist wichtiger als der Staat".
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