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"WZ"-Interview mit dem Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder. | "Wiener Zeitung":Wie werden Sie den 60. Jahrestag des Bestehens des Pariser Vertrags begehen, des Grundsteins für Südtirols Autonomie?
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Luis Durnwalder: Zu feiern gibt es nichts: 1946 haben wir Selbstbestimmung gefordert und nicht Autonomie, die war nur die zweitbeste Lösung. Wir veranstalten einen Gedenktag, bei dem wir uns diese Zeit in Erinnerung rufen.
Würde Südtirol heute Selbstbestimmung gewährt, wie sähe das Ergebnis aus?
Wenn die Südtiroler die Wahlmöglichkeit zwischen der heutigen Situation oder einer Rückkehr nach Österreich hätten, bin ich überzeugt, dass 70 Prozent für die heutige Situation wären. Wenn diese Abstimmung aber erst in einem halben Jahr nach Informationskampagnen stattfände, bin ich überzeugt, dass eine kleine Mehrheit für Österreich herausschauen würde.
Senator Francesco Cossiga hat doch einen Vorschlag in die Richtung gemacht?
Cossiga ist uns eigentlich nicht schlecht gesinnt. Er hat gesagt, dass man den Südtirolern die Möglichkeit geben sollte, dass sie selber entscheiden können, ob sie zurück nach Österreich wollen, oder ob sie bei Italien bleiben wollen. Aber dann hat er noch die Option eines eigenen Staates und die Rückkehr zu Deutschland angeführt. Das ist eine Konstellation, die geschichtlich nicht fundiert ist. Wir waren nie bei Deutschland.
Welche Möglichkeiten sehen Sie persönlich?
Ich glaube, dass es nur drei Optionen gibt: zurück nach Österreich oder bei Italien bleiben. Oder die Schaffung einer Zone mit einem Protektorat beider Staaten, wo Souveränität und Autonomie Südtirols weiterausgebaut werden. Aber das ist unrealistisch.
Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Situation?
Noch in den 60er-Jahren waren wir politisch und wirtschaftlich fast nicht existent. Heute stehen wir, was das Bruttoinlandsprodukt anbelangt, in Italien an Stelle eins. Wir sind die einzige Minderheit in Europa, die zunimmt und nicht abnimmt. Wir haben in den 60er-Jahren 64 Prozent der Bevölkerung gestellt, und heute halten wir bei fast 70 Prozent. Das zeigt, dass wir durch die Autonomie schon Fortschritte gemacht haben.
Wie sehen Sie die Entwicklung Südtirols nach der Ära von Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi?
Mit der Regierung Berlusconi sind wir nicht ganz zurecht gekommen. In seinem Bündnis sind Parteien vertreten, die gegen das Autonomiestatut sind. Mit der jetzigen Regierung kommen wir wieder sehr gut aus. Uns wurde zugesichert, dass unsere Autonomie auf keinen Fall angetastet werde. Selbst Anpassungen würden nur im Einvernehmen mit uns geschehen.
Wie soll die Zukunft der Autonomie aussehen?
Wir brauchen die Autonomie, denn wir sind eine kleine österreichische Minderheit in Italien. Wenn wir da überleben wollen, benötigen wir größtmöglichen Schutz und größtmögliche Eigenständigkeit. Wir wollen eine dynamische und keine statische Autonomie, man muss sich ja neuen Gegebenheiten anpassen. Denken sie an die 60er-Jahre, als die Autonomie ausgehandelt wurde. Da hatten Sachen wie Telekommunikation, Internet oder Fernsehen im Gegensatz zu heute keine Bedeutung. Wir müssen jederzeit verlangen können, was die Autonomie noch verbessert. Der ehemalige Landeshauptmann Magnago hat es so formuliert: "Wenn wir für unsere Autonomie Hubschrauber brauchen, dann werden wir die auch verlangen."
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