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Wir haben zu wenige Studierende

Von Brigitte Pechar

Politik

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Ein Semester Germanistik und dabei in den Genuss von Vorlesungen des leider schon verstorbenen Literatur- und Sprachwissenschafters Wendelin Schmidt-Dengler kommen und dann noch in die Sportwissenschaften hineinschnuppern, ehe man sich auf ein ganz anderes Studium konzentriert - das war einmal. Die heutigen Studierenden finden sich in Studieneingangsphasen, konkurrieren um Sitzplätze in Hauptvorlesungen, Seminaren und Übungen. Sie warten ein Jahr, um vielleicht beim nächsten Mal den Medizin-Aufnahmetests zu schaffen. Nicht selten überschneiden sich Pflichtvorlesungen, die das Fortkommen behindern und damit zum Verlust von Stipendien oder Familienbeihilfe führen. Die Zustände an unseren Universitäten sind wahrlich nicht studierendenfreundlich und werden immer schlimmer. Die Politik hat den Übergang zu Massenuniversitäten verschlafen - auszubaden hat das die heutige Jugend. Die Fachhochschulen bringen seit den 1990er Jahren eine gewisse Entlastung, aber eine Lösung sind sie noch nicht. Auch deshalb nicht, weil die Politik eine Planung des gesamten tertiären Sektors bisher nicht geschafft hat. Zwar ist nicht einzusehen, warum in Österreich die Bildungspyramide auf dem Kopf steht - rigides Schulsystem und nach der Matura freier Zugang zu Universitäten -, aber mit Zugangsbeschränkungen alleine wird die Wissensgesellschaft auch nicht geschaffen werden. Daher steht an erster Stelle eine Aufstockung der Universitätsmittel. Und ja, Unis sollen sich ihre Studierenden aussuchen dürfen, aber es sollten eben möglichst viele sein.