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Das lange Warten auf den Aufschwung. | Heimische Bahn könnte Polen und Frankreich dieses Jahr überholen. |
§§"Wiener Zeitung": Wie stark sind die Einbrüche im Güterverkehr bisher in diesem Jahr? Inwiefern mussten Sie ihre Vorschau anpassen? * | Friedrich Macher: Wir sind zu Beginn davon ausgegangen, dass die Rückgänge minus 25 Prozent im ersten Quartal, minus 15 im zweiten, minus 10 im dritten und minus 5 im vierten Quartal ausmachen; dass es einen treppenförmigen Verlauf gibt.
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Wird sich die Lage im zweiten Halbjahr tatsächlich verbessern?
Mittlerweile hat sich herausgestellt: Das Geschäft ist im ersten Quartal weniger scharf zurückgegangen als erwartet. Wir lagen bei einem Minus von rund 20 Prozent. Allerdings bleibt es seitdem bei den 20 Prozent. Auch für das dritte und vierte Quartal erwarte ich nun jeweils um 20 Prozent weniger Volumen - immer gegenüber dem Vorjahresquartal gerechnet.
Die Krise kam bereits im September 2008. Müsste der Einbruch im vierten Quartal 2009 deshalb nicht etwas geringer ausfallen?
Von den Großkunden hören wir, dass sie auf halbe Sicht fahren. In Wahrheit kann niemand die Zukunft vorhersagen. Insofern muss auch die RCA auf halbe Sicht fahren. Es geht um einen Weg zwischen Gesundbeten und Krankjammern. Im Sinne eines wirksamen Kostenmanagements stellen wir uns auch im vierten Quartal auf ein Minus von rund 20 Prozent ein.
Welche Bereiche sind besonders betroffen?
Vor allem Automotive und Montan. Das Geschäft mit den Autozulieferern verschlechterte sich um 20 Prozent, im Bergbaubereich beläuft sich das Minus auf 40 Prozent.
Was erwarten Sie für 2010?
Das ist noch zu früh. Alle üben sich momentan in Moll, Dur schlägt noch gar nicht durch. Es gibt kaum positive Signale. Zwar deuten die Konjunkturfrühindikatoren in Deutschland und den USA wieder nach oben, aber es wird eine Weile dauern, bis diese Entwicklung in der Wirtschaft und bei unseren Kunden ankommt. Jedenfalls beobachten wir alle Aussagen von Wirtschaftsforschern und vor allem unserer strategischen Kunden sehr genau.
Sie waren zuletzt von der Transportleistung her die Nummer vier in der Europäischen Union. Werden Sie sich auf den dritten Platz vorarbeiten können?
Bisher waren die Deutschen, die Franzosen und die Polen vor uns - in dieser Reihenfolge. Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte die RCA gemeinsam mit der ungarischen MAV Cargo schon zu Jahresende auf Platz zwei vorstoßen. Wir sind im Europavergleich strategisch besser aufgestellt als je zuvor und wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Was machen die anderen großen Güterbahnen?
Die RCA steht zukunftsträchtiger da als beispielsweise die französische Bahn, für deren Güterverkehrssparte ein Rückgang von 25 bis 40 Prozent erwartet wird. Die Polen müssen ein Minus von rund 40 Prozent verkraften, die Belgier sogar mehr als eine Halbierung des Volumens. Die RCA, die MAV Cargo und die Schweizer Bahn halten sich bis jetzt in der Krise am besten.
Was sind die Ursachen, dass es den Güterbahnen so unterschiedlich geht?
Es hängt davon ab, wie breit man aufgestellt ist. Je mehr Untersparten, desto besser. Wir haben zum Beispiel bei der Kontraktlogistik - also Stückgut und Lagerleistungen - trotz der Krise in den vergangenen fünf Monaten einen Zuwachs von insgesamt drei Prozent.
Man hört, dass die RCA die Preise erhöht.
Die Kostendeckung beim nationalen unbegleiteten kombinierten Verkehr - beispielsweise Container von Wien nach Salzburg - ist zu niedrig. Deshalb passen wir die Preise um 9 bis 15 Prozent an.
Warum genau kommt es zu den Verteuerungen?
Die Preisanpassung wäre schon zu Jahresbeginn gekommen, wurde jedoch als eine Art Krisenbeitrag aus Rücksicht auf unsere Kunden ausgesetzt. Per Anfang Juli muss die Rail Cargo Austria aber aus ökonomischen Gründen nachziehen.
Wie werden Sie konkret in der RCA die bereits angekündigten 150 Millionen Euro einsparen?
Die Gesamtsumme der 150 Millionen ist nur aus der RCA-Sicht zu betrachten, konzernweit kommt es zu einigen Redundanzen, weil es konzerninterne Bestellungen gibt. Wir durchforsten alle Bereiche gleichermaßen. 25 Güteraufgabestellen wurden im ersten Quartal vorübergehend geschlossen, 50 weitere werden analysiert. Von den mehr als 100 GmbHs in der RCA wird es in Kürze nur mehr rund 60 geben.
Wie stark wird der kolportierte Mitarbeiterabbau ausfallen?
Hier möchte ich bewusst keine Zahlen nennen. Die Rail Cargo Austria wird jedenfalls die natürlichen Abgänge nutzen und legt auf ein gutes Verhältnis zur Belegschaftsvertretung großen Wert.
Zur Person
Friedrich Macher wurde im Februar 2008 in den Vorstand der Rail Cargo Austria (RCA), der Güterverkehrstochter der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), berufen. Davor war der ehemalige DDSG-Binnenschifffahrtsoffizier von 1995 bis 2007 Chef der Spedition Kühne + Nagel Österreich. Der 56-jährige erwarb sich im zweiten Bildungsweg unter anderem Qualifikationen in Betriebswirtschaft und Informatik.

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