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Wir sind die Krise!

Von Andreas Rauschal

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Weitgehend Einigkeit herrschte bezüglich des Grundproblems, das die (Qualitäts-)Medien in Form schwindender Erlöse beschäftigt. Dass die Suche nach Ursachen ("Das Internet ist schuld") oder etwaigen Lösungsansätzen ("mehr Presseförderung" vs. "mehr Fantasie") ungleich schwieriger ist, wurde nun aber auch per "Kulturmontag" bewiesen. Dort sorgte nicht nur ein Beitrag über die Marktsituation des Journalismus für Ratlosigkeit und Unschärfen - immerhin wurden die Sparmaßnahmen im eigenen Haus ursächlich auf die Politik zurückgeführt, die die Werbemöglichkeiten des ORF erheblich beschnitten habe, ohne etwa auf die unternehmensseitige Unfähigkeit (oder den Unwillen?) zur Umverteilung einzugehen.

Auch Anneliese Rohrer, die Publizistikprofessor Hausjell in der Studiodiskussion zwischendurch unterstellte, am Punkt vorbei zu argumentieren, hätte einen Teil der kostbaren Sendezeit nicht zwingend dafür verwenden müssen, sich über die zeitgleiche Ausstrahlung der Politdiskussion "Im Zentrum" und des Serienneustarts von "Dallas" zu empören.

Nach Stichworten wie "Prekarisierung", "Kündigungen" und "Zusperren" wurde Branchenmitgliedern mit einem Beitrag über Buchneuveröffentlichungen am Ende aber doch noch Hoffnung gemacht - "Grünes Licht für miese Stimmung" hieß es da, "Mut zur Melancholie" oder "Unglücklichsein ist produktiv". Alles im Leben ist Einstellungssache. Sage noch einer, dass die Krise nicht auch ihr Gutes habe!