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Wir sind Umfrage-Europameister

Von Christoph Rella

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Laut einer EM-Meinungsstudie hätte das ÖFB-Team zumindest das Viertelfinale erreichen sollen. Auch die heimischen Sportler sahen das so.


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So Umfrageergebnisse haben doch immer auch etwas Amüsantes. Vor allem, wenn man sie sich mit einem gewissen zeitlichen Abstand zu Gemüte führt - und es noch dazu um Fußball geht. Als anschauliches Beispiel für ein derart erheiterndes Plebiszit mag jene Umfrage gelten, welche das "Weekend-Magazin" im Mai 2016, also nur kurz vor Anpfiff der EM, durchgeführt hat. Diesem Experiment ist zugutezuhalten, dass das Sample mit 1500 Personen, darunter auch mehrere heimische Sportler, relativ breit angelegt war, was wiederum für die Aussagekraft der Studie spricht. Dafür war aber das, was da die Leute durch die Glaskugel gesehen haben wollten, teilweise ziemlich jenseitig.

Auffällig ist zunächst einmal die einhellige Überschätzung des ÖFB-Teams, von dem immerhin mehr als zwei Drittel der Befragten glaubten, es würde bei dieser EM zumindest das Achtel-, wenn nicht Viertel- oder Halbfinale erreichen. Dagegen nahm sich die Fraktion der Euphorie-Verderber, die trotz der rot-weiß-roten Höhenflüge in der EM-Qualifikation fix mit einem Ausscheiden der Österreicher nach der Gruppenphase rechneten, doch recht gering aus (24 Prozent).

Nun könnte man ja sagen, das sei für ein nahezu skizophrenes Land wie Österreich, das ständig zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Größenwahn zu wechseln scheint, nichts Neues. Dass aber auch jene, die es vielleicht doch besser wissen sollten, nämlich die heimischen Sportlergrößen, von dem Wir-sind-Europameister-Fieber erfasst waren, überrascht da doch. Den Vogel mit ihrer Aussage über die Chancen des ÖFB-Teams abgeschossen hat dabei gewiss ÖSV-Star Cornelia Hütter: Auf die Frage, wie Österreich bei der EM abschneiden werde, meinte sie ohne Umschweife: "Österreich!"

Wer aber glaubt, es handle sich bei der Steirerin um den Einzelfall einer unbedarften Wintersportlerin, der halt der Fußball am Ski vorbeigehe, täuscht sich. Sind doch auch von bekannten heimischen Vertretern der männlichen Sportelite witzige Prophezeiungen überliefert. So zum Beispiel von Olympiasieger Felix Gottwald, der zu Protokoll gab, dass Österreich bei der Euro nicht nur das Halbfinale erreichen, sondern auch David Alaba (oder Marc Janko) mit dem EM-Titel "Bester Spieler" ausgezeichnet würde. In der Liste der Optimisten, die zumindest mit einem Viertelfinaleinzug rechneten, zu finden sind weiters der Golfer Bernd Wiesberger, der Skispringer Thomas Morgenstern oder auch der Handballer Viktor Szilagyi.

Nun sollte man vielleicht mit den Befragten nicht zu hart ins Gericht gehen, waren doch die Leistungen
in der Qualifikation wie auch die Stimmung im Land dazu angetan,
an ein solches Märchen wirklich zu glauben. Wenn man eine Kritik loswerden müsste, dann doch diese, dass Hütter und Co. zumindest dem heimischen Fußball keinen guten Dienst erwiesen haben. Denn wer im Spitzensport tätig ist, sollte, anstatt die Fans mit Wir-sind-super-Sagern noch weiter aufzuputschen, doch einschätzen können, was geht und was nicht - oder im Zweifel leisertreten. Oder man fragt überhaupt nur die, die sich auskennen. Andi Herzog zum Beispiel. Er rechnete laut Unfrage für Österreich maximal mit dem Achtelfinale. Und Europameister? "Wird Frankreich."