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Wir sind und bleiben, was wir essen

Von Michael Howanietz

Gastkommentare

Ein hoher Selbstversorgungsgrad ist nicht nur eine Frage staatlicher Nahrungsmittelsouveränität, sondern auch von gesundheitlicher Relevanz. Aktuelle Studien zeigen: Unser Organismus verträgt heimisches Obst und Gemüse sehr viel besser als Importware. Die wertvollen Inhaltsstoffe (in energieaufwendig weitgereisten Importen ohnehin in erheblich geringerem Umfang enthalten) werden effizienter und leichter aufgespaltet und verwertet. Der Code "Heimat" muss nicht etikettiert sein, hat unser Körper doch ein untrügliches Sensorium für die Herkunft der Nahrung. Er gibt diese Erkenntnis aber nur selten an unser waches Bewusstsein weiter. Es ist daher Aufgabe der Politik, den Handel detaillierte Hinweise darauf geben zu lassen, was woher kommt und was es enthält.


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Herkunftsnachweise, die, etwa bei Schinken oder Milchprodukten, auf Regionen verweisen, wo es keine Schweine- oder Milchkuhhaltung im für die angebotene Produktpalette erforderlichen Umfang gibt, führen in die Irre. Ebenso Regelungen, die Import und Handel von geklonten Tieren verbieten, nicht aber jenen mit Fleisch und Milch ihrer Nachkommen sowie mit Samen und Embryonen der geklonten Elterntiere.

Auch die EU-Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Nahrungsmittelinhaltsstoffe ist ungenügend: Tierische Lebensmittel sind explizit ausgenommen. Ein gravierendes Defizit, hinterlassen doch Produkte aus mit gentechnisch veränderten Organismen gefütterten Tieren Spuren der künstlichen Gensequenzen auch im Konsumenten - mit unabsehbaren gesundheitlichen Folgen.

Mangelhafte Kennzeichnung erschwert es, Hippokrates Grundsatz zu folgen: Eure Nahrung sei eure Medizin! Wie sehr Nahrung Heilmittel sein kann, erforscht mit zunehmend erstaunlichen Resultaten die Epigenetik, laut der unsere Ernährung Gene aktivieren oder deaktivieren kann. Das Ein- und Ausschalten einzelner Gene hat unmittelbare Auswirkungen auf Körperfunktionen, bis hin zum Zellteilungsprozess.

Untersuchungen an eineiigen Zwillingen zeigen, wie die Art der konsumierten Nahrung, bei gleicher physiologischer Ausgangslage, unterschiedliche Entwicklungen zeitigt. Umwelteinflüsse und Faktoren wie Stress spielen zwar eine Rolle, aber wir sind überwiegend Produkte unserer Ernährung. Deren mögliche Heilwirkung limitieren vor allem vom Menschen selbst geschaffene Hemmnisse, etwa das in vielen Kunststoffen enthaltene Bisphenol A, ein künstliches Hormon.

In unterschiedlicher Intensität gesundheitsschädlich wirken sämtliche bis dato untersuchte in Chemikalien und Pestiziden enthaltene hormonähnliche Substanzen. Dennoch sind viele davon zugelassen. Zur Grenzwertfestsetzung werden ausschließlich die Wirkungen der Einzelsubstanzen herangezogen, nicht die Cocktails aus mutmaßlich toxischen chemischen Stoffen und Pestizid-Rückständen, die tagtäglich auf den Menschen einwirken. Hier wie dort besteht dringender Handlungsbedarf.

Michael Howanietz ist freier Publizist und Buchautor ("Energie und Lebensmittel, Konzerndiktatur oder Selbstbestimmung").