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Wir sitzen alle in einem Baum

Von Barbara Ottawa

Wirtschaft

Geschichte ist wie ein Baum - zumindest für Britta Orgovanyi-Hanstein. Auf einem 91 mal 86 Zentimeter großen Plakat hat die Wiener Historikerin die wichtigsten Verästelungen der europäischen Geschichte dargestellt. Der "Geschichtsbaum", der in Österreich sehr großen Anklang findet, kommt im Herbst auch auf den deutschen Markt.


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"Wir sind alle Europäer. Die kleinlichen Konflikte innerhalb der Europäischen Union werden lächerlich, wenn man sich unsere gemeinsame Geschichte ansieht", zeigt sich Orgovanyi-Hanstein im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" überzeugt. "Diese ganze europäische Diskussion ist lächerlich. Wir haben alle eine gemeinsame Wurzel." Genau deshalb hat sie sich daran gemacht, diese gemeinsame Geschichte möglichst anschaulich darzustellen - in Form eines Baumes.

Die Wurzeln bilden die antiken Kulturen im Raum Israel, Mesopotamien, Babylonien, Rom und Griechenland. Vom Stamm weg werden die obersten drei Zweige aus den Themenbereichen Kirche, Politik und Kultur gebildet. Die darunterliegenden Äste sind auf beiden Seiten des Stammes verschiedenen Ländern und ihrer Geschichte gewidmet. Österreich etwa findet sich auf dem vierten Ast von unten auf der rechten Seite des Baumes.

Auf den Zweigen zu Kirche, Politik und Kultur finden sich allgemein relevante Themen, die für die ganze Region von Bedeutung waren. Darunter zum Beispiel auf dem Politik- ast: Kolonialismus, der Dreißigjährige Krieg, Merkantilismus oder die Französische Revolution.

Die Autorin gibt in einer Leseanweisung den Hinweis, die allgemeinen Äste zuerst zu lesen. Auf einzelnen Blättern finden sich auch Hinweise zu nationalen Zweigen und Blättern in bestimmten Epochen. Die ältesten Blätter und somit die am weitesten zurückliegenden Ereignisse aller Zweige befinden sich in Stammnähe, nach außen zu wird der Baum und so auch die Geschichte jünger.

Geschichte verstehen

Die Grundidee für den Baum hat die Mutter aus den schulischen Erfahrungen mit ihren Kindern erhalten. "Ich habe immer versucht, meinen Kindern den Stoff bildlich darzustellen", sagt Orgonvanyi-Hanstein. Sogenannte Mindmaps waren für sie dabei sehr hilfreich.

Irgendwann wurde dann die Idee geboren, auch anderen Leuten Geschichte einfach zugänglich zu machen und so entstand der Geschichtsbaum.

Für die Wiener Historikerin bietet ihr Werk einen ersten klaren Überblick über die Europäische Geschichte, dazu Analysen und Zusammenhänge - und das auf sehr anschauliche Weise. Universitätsprofessor Stefan Karner von der Uni Graz unterstützt die Approbation des Plakates als Unterrichtsmittel. Er schreibt in einer Empfehlung: "Der vorgelegte "Geschichtsbaum Europa" (...) besticht in erster Linie durch seine prinzipielle Idee: Geschichtliche Ereignisse in verschiedenen Staaten und Gebieten Europas in der jeweiligen Zeit vergleichbar zu machen."

Geschichte verkaufen

Bei vielen Lehrern und Lehrerinnen ist der Geschichtsbaum schon in Verwendung. Aber auch in etlichen Haushalten hängt das Bild, das gleichzeitig eine Wissensquelle ist.

"Man muss Geschichte verkaufen", so Orgovanyi-Hanstein - in diesem Fall mit Design. "Leute hängen sich den Baum zu Hause auf, weil er schön ist. Dann schauen sie immer wieder darauf und lesen ein oder zwei Blätter", erzählt die Historikerin.

Nach dem deutschen Markt will Orgovanyi-Hanstein auch auf dem US-Markt einen Baum pflanzen - einen anderen als für Europa und in englischer Sprache, versteht sich.

"Geschichtsbaum Europa", Verlag S. Fischer, ISBN: 3-10-055204-0, 19 Euro.

orgovanyi@aon.at