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"Wir stehen so gut da, wie noch nie"

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Oleg Deripaska stellt Konzern vor. | "Langfristiges Interesse" an Strabag. | Wien. "Es ist eine Ehre, bei einer Firma Aktionär zu sein, die so gute Tunnels, Brücken, Straßen und Flughäfen baut": Der 40jährige russische Milliardär Oleg Deripaska - je nach Liste reichster oder zweitreichster Mann Russlands - gibt sich bei seinem ersten Auftritt vor der Presse in Wien am Donnerstag bescheiden und freundlich. Seinen Mischkonzern Basic Element, der 2006 mit 240.000 Mitarbeitern mehr als 18 Milliarden Dollar umgesetzt hat stellt er als "regionales, kein Moskauer Unternehmen" vor.


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Deripaska, mit einem geschätzten Vermögen von 16 Mrd. Dollar (11,72 Mrd. Euro), ist Gründer und Eigentümer. Vorstandsvorsitzende und "für das operative Tagesgeschäft zuständig" ist Gulzhan Moldazhanova (40), die in der CNNMoney-Rangliste der 50 mächtigsten Frauen der Welt auf Platz 22 gereiht wird.

Deripaska, der nach einem Physik- und Wirtschaftsstudium mit 26 Jahren Chef einer Aluminiumschmiede geworden war, kaufte im Lauf der Jahre eine Fabrik nach der anderen zu. Heute ist Rusal die weltweite Nummer eins in der Branche und kontrolliert 16 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion.

"Verlierer suchen immer nach Ausreden"

Kritische Berichte über harte Geschäftspraktiken und sein Image kontert er so: "Ich glaube, dass Menschen, wenn sie verlieren, versuchen, Ausreden zu finden". Die Folge seien dann persönliche Angriffe auf ihn gewesen. Die Verhältnisse während seiner beruflichen Anfänge zu Beginn der Neunzigerjahre seien turbulent und chaotisch gewesen, "alles ist zusammengebrochen." In diesen Verhältnissen habe er immer das Ziel verfolgt, "effiziente und schnelle Lösungen zu liefern".

Das sei auch die Basis seiner guten Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin: Der bevorzuge Leute, "die in der Lage sind Resultate zu liefern", denn auch auch Putin sei ein hart arbeitender Mann, der Resultate liefere.

Von seiner um insgesamt 1,2 Milliarden Euro erworbenen 30-Prozent-Beteiligung an der Strabag SE - die er als "langfristiges strategisches Investment" sieht - erhofft er sich Qualitäts-Impulse für das zuletzt rund 1,5 Milliarden Euro umsetzende Baugeschäft der eigenen Firmengruppe.

Weil die Höhe der Beteiligung "nicht entscheidend" sei, habe er auch verbindlich zugesagt, beim auf Herbst verschobenen Börsengang der Strabag seinen Anteil ebenso wie die beiden anderen Syndikatspartner, die Haselsteiner-Gruppe und Raiffeisen, auf dann 25 Prozent zu reduzieren.

Das Hauptaugenmerk seines Konzerns liege weiterhin in Russland, betonte Deripaska: "Alle sind begeistert von den Marktchancen in China und Indien, aber in Wahrheit ist Russland der beste Markt der Welt".

Das sieht auch Strabag-Mehrheitseigentümer Hans Peter Haselsteiner ähnlich: "Wir sind jetzt so gut aufgestellt, besser geht es nicht". Bis zum Ende des Sommers sollen nun die konkreten Zusammenarbeits- und Expansionspläne auf dem mit Jahresraten von 12 Prozent wachsenden russischen Baumarkt ausgearbeitet sein, dann wird auch der genaue Umfang der nächsten Kapitalerhöhung feststehen - und die soll diesmal wirklich über die Wiener Börse erfolgen.

Bis zu 27,5 Millionen Aktien sollen begeben werden. Die Zahl der jungen Aktien könnte 15 bis 19 Millionen Stück betragen. Aus dem Bestand der Altaktionäre kämen 8,5 bis 12,5 Millionen Stück, konkretisierte der Strabag-Chef. Längerfristig soll der Streubesitzanteil weiter erhöht werden. "Raiffeisen und ich wollen uns tendenziell auf 17 Prozent zurückziehen", kündigte Haselsteiner an.

Raiffeisen hat nicht vor, sich zu verabschieden

Vereinbart sei, dass die drei Syndikatspartner je ein Drittel von 51 Prozent nicht unterschreiten, die Kontrolle über die Strabag bleibe damit beim Syndikat, dessen drittes Mitglied Deripaska nun mit "allen Rechten und Pflichten" geworden sei. Man habe einstimmige Beschlüsse und gegenseitige Vorkaufsrechte vereinbart. Dass Deripaska persönlich die Kontrolle in der Strabag an sich reißen wolle, sei so wahrscheinlich "wie wenn jemand, der mit Chelsea gesiegt hat, plötzlich beim FC Mistelbach spielen möchte", formulierte Haselsteiner.Christian Konrad, Chef der Raiffeisen-Gruppe, fügte hinzu: "Wir haben nicht die Absicht, uns zu verabschieden und die Führung bleibt bei uns". Er teile Haselsteiners Analyse über die Vorteile der Zusammenarbeit. Alle, mit denen er bisher im Raiffeisensektor über den Deal gesprochen habe, hätten "vorbehaltlos gratuliert".