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Wird Reisen zum Luxus?

Von Monika Jonasch

Wirtschaft
Fernreisen werden eher zum Fixpreis gebucht. Davon profitieren Länder mit großem All-inclusive-Angebot.
© stock.adobe.com / NicoElNino

Nach einer überraschend positiven Sommersaison 2022 könnte wieder ein Dämpfer im Tourismus bevorstehen. Die Preise steigen, die Menschen müssen sparen - das dürfte die Urlaubsbudgets schrumpfen lassen.


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Der letzte Sommer war sehr schön...", könnten die Touristiker nach der heurigen Sommersaison singen. Fast hätte man die Rekorde von 2019 übertroffen, heißt es von Hoteliers, Reiseveranstaltern und Branchen-Insidern unisono.

Nun werden jedoch die Karten neu gemischt: Aufgrund steigender Energiepreise und Rekordinflation bleibt den Menschen weniger im Geldbörsel. Sie müssen erst die gestiegenen Lebenshaltungskosten bewältigen, dann wird gecheckt, wieviel übrig bleibt. Das Urlaubsbudget, ob fürs Skifahren oder den Sommerurlaub, dürfte also schrumpfen.

Zudem haben die Tourismusbetriebe, von Hotels bis Fluglinien, bereits ihre Preise erhöht, sind doch auch sie mit steigenden Kosten konfrontiert.

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"Heuer im Sommer gab es eine Steigerung bei den Pauschalreisen gegenüber 2021 von 10 bis 15 Prozent", erklärte allerdings Reiseveranstalter Ruefa zuletzt. Man erwarte sich daher - in nächster Zeit - nur noch moderate Preissteigerungen. Dennoch dürften Frühbucher auch für den kommenden Winter und den Sommer 2023 besser fahren, denn günstiger wird es wohl eher nicht.

Wifo: Sparen beim Urlaub

"Gerade die Preissteigerungen bei lebensnotwendigen Gütern wie Strom und Lebensmitteln werden viele Haushalte zwingen, ihr Budget umzuschichten - dies wird zulasten von ‚Luxusgütern‘ gehen, zu denen auch touristische Dienstleistungen und Urlaubsreisen zählen", analysierten jüngst die Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstitutes Wifo.

Mit welchen Strategien Österreichs Haushalte die gestiegenen Kosten abfedern werden, sei noch offen. Von komplettem Urlaubsverzicht bis zu billigeren oder kürzeren Urlauben gebe es hier mehrere Möglichkeiten, so die Wifo-Experten vorsichtig. Aber: "Im Gegensatz zur Sommersaison, in der Urlaub für viele Familien beinahe selbstverständlich ist, fällt ein Winterurlaub öfter in die Kategorie "Luxus", sodass davon ausgegangen werden muss, dass der Verzicht auf Winterurlaub leichter fällt", heißt es in aktuellen Wifo-Tourismusanalyse.

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All-Inclusive bei Fernreisen

Der weltgrößte Touristikkonzern TUI verzeichnet für die Wintersaison 2022/23 zwar nach wie vor viel Reiselust vonseiten der Österreicher. Sie seien sogar bereit, mehr für ihre Reisen auszugeben und höherwertige Urlaube zu buchen. Vor allem Fernziele, wie Thailand, die Malediven, Mexiko oder die Dominikanische Republik, sind derzeit sehr gefragt.

Allerdings konzentrieren sich die Urlaubswilligen vermehrt auf "All-Inclusive-Angebote". Hiervon profitieren insbesondere Reiseziele wie Ägypten, die Türkei und die Kanaren, die über 90 Prozent All-inclusive-Unterkünfte bieten.

"Aktuell ist bereits mehr als jede zweite Buchung im Winter eine All-inclusive-Reise" erklärte Gottfried Math, Geschäftsführer von TUI Österreich. Auch im Wintersport würden All-Inclusive-Angebote neuerdings stärker nachgefragt. Die Urlauber achten also verstärkt auf Budgetsicherheit und Kostentransparenz, so die Beobachtung beim Touristikkonzern. Auch bei TUI erwartet man sich keine großen Preissteigerungen mehr, erklärt Math. Die derzeit gültigen Preise seien ja bereits im Frühjahr ausgehandelt worden.

Stimmung trübt sich ein

Kommt es zu einer verstärkten Energieknappheit, sei es allerdings möglich, dass es auch auf der Angebotsseite zu Einschränkungen kommen kann, analysieren die Wifo-Ökonomen weiter. Sie berufen sich dabei auf Erwartungen der heimischen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe zum Winter 2022/23. Die unternehmerische Zuversicht habe sich in der August-Befragung gegenüber Juli bereits wesentlich eingetrübt, heißt es. Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage im Bereich Beherbergung und Gastronomie war erstmals seit Februar 2022 wieder negativ.

Preise ohne Kostenwahrheit

Hinzu kommt, dass die Touristiker ihre gestiegenen Kosten teils noch nicht in vollem Umfang weitergeben konnten, da der Sommerurlaub üblicherweise Monate im Vorhinein gebucht wird, erklärt Wifo-Experte Oliver Fritz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Während die Einnahmen durch Nächtigungs- und Tagesgästen im heimischen Tourismus in den ersten drei Sommermonaten 2022 laut Wifo-Schätzungen auf acht Milliarden Euro stiegen - um gut ein Zehntel mehr als im Vergleichszeitraum 2019 - lagen die Umsätze, preisbereinigt, geschätzte 5,2 Prozent unter dem Vergleichswert der ersten Sommerhälfte 2019. "Wo möglich werden die Preise angehoben, dabei tun sich Anbieter im höherpreisigen Segment leichter", so Fritz.

Die Branchenstimmung in Österreich ist (noch) nicht so schlecht, wie Johann Spreitzhofer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) auf WZ-Nachfrage erklärt: "Nach einem erfreulichen Sommer zeigt sich in den heimischen Hotels die Buchungslage für den Frühherbst sehr gut, für den Spätherbst noch etwas verhaltener. Bei den Buchungen für den Winter ist ein zurückhaltendes, abwartendes Verhalten der Gäste und eine generelle Unsicherheit spürbar", führt er aus.

Gebucht wird kurzfristig

Ausgebremst werde das Buchungsverhalten derzeit sowohl durch den Ukraine-Krieg mitsamt seinen Folgen wie Teuerungen bei Energie und Nahrungsmitteln, wie auch durch die Ungewissheit rund um die Corona-Situation im Herbst. Die Folge: "Die bislang schon kurzfristigen Buchungen werden nun noch kurzfristiger. Auch liegt die Hauptbuchungszeit für den Winter 2022/2023 noch vor uns."