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Wird Rotchina bald grün?

Von Thomas Seifert

Wirtschaft

Der chinesische Energie-Experte Xiaojie Xu über Chinas Streben nach einem nachhaltigeren, umweltschonenderen Wachstum.


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Wien. Xiaojie Xu, Energieexperte der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, ist davon überzeugt, dass die chinesische Führung alles daransetzt, das Problem der dramatischen Luftverschmutzung in chinesischen Städten in den Griff zu bekommen. Wenn es heißt, dass es Menschen gibt, die von Peking nach Shanghai übersiedeln, weil dort die Luft ein wenig besser ist, sagt Xu, dann steht diese Möglichkeit Präsident Xi Jinping nicht offen. "Sein Amtssitz ist in Peking und er atmet dort genau dieselbe Luft wie jeder andere Pekinger auch", sagt er. Zuletzt hatten sich US-Präsident Barack Obama und Präsident Xi Jinping darauf verständigt, dass beide Länder den Ausstoß des für das Weltklima schädlichen Treibhausgases CO2 begrenzen wollen. Chinas Energiemix beruhe derzeit noch immer sehr stark auf Kohle und derzeit werde versucht, die Effizienz von Kohlekraftwerken zu verbessern. Gleichzeitig werde es darum gehen, die Transportsysteme vom Auto auf Massenverkehrsmittel zu verlagern.

Gas als Energiequelle werde für China an Bedeutung gewinnen, sagt Xu, derzeit seien eine Reihe von Pipeline-Projekten in Planung. Xu nennt die Turkmenistan-China-Pipeline, China sei aber auch daran interessiert, Gas aus Sibirien zu importieren. Gleichzeitig bemühe sich Peking auch in den Ländern des Nahen Ostens um Importverträge für Öl.

Andere Wachstumskonzepte

Erneuerbare Energiequellen - also Wasserkraft, Windenergie, Solar, Erdwärme, Biogas - spielen derzeit noch eine geringe Rolle im Energie-Mix der Volksrepublik China. Derzeit sei geplant, dass bis 2020 15 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, sagt Xu, bis 2030 soll diese Zahl auf 20 Prozent erhöht werden. In Deutschland liegt der Anteil der Erneuerbaren schon heute bei fast 30 Prozent, in Österreich lag der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergiemix im Jahr 2012 bei 32,2 Prozent.

"China kann nicht die Wachstumsrezepte des Westens kopieren - wenn China pro Kopf so viel Öl verbrauchen würde wie die USA, dann verbliebe für den Rest der Welt kein einziger Tropfen mehr", sagt Xu, "das ist doch klar, dass das nicht funktionieren kann."

Wachstum um jeden Preis sei nicht länger das Ziel der chinesischen Regierung, bei der Beurteilung des Erfolgs zähle heute die Nachhaltigkeit.

Zur Person

Xiaojie

Xu

ist seit April 2009 Chef der Energie-Abteilung der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften in Peking.