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Wirtschaftsuni kommt in den Prater: Uni-Standorte als "Wurstel-Konzept"

Von Christian Mayr

Analysen

Im Herbst 2012 soll für die größte Wirtschaftsuniversität Europas - gemeint ist jene in Wien - eine neue Ära anbrechen. Das 1982 eröffnete Hauptgebäude, das über die Jahre zu klein und obendrein desolat geworden ist, wird zugunsten eines Neubaus im Wiener Prater aufgegeben. Seit Montag Abend steht diese Entscheidung - die "Wiener Zeitung" berichtete - fest.


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Fest steht damit aber auch, dass zwar die Diskussionen um eine örtliche Zusammenlegung von Technischer Universität und Wirtschaftsuniversität endgültig beendet sind, nicht aber die Debatten um weitere Standort-Konzentrationen vieler anderer Universitäten in Wien. Die Probleme der WU scheinen mit dem Umzug in den Prater nämlich bereinigt, für andere Unis und vor allem deren Studenten heißt es aber weiterwursteln; aufgrund von uralten oder gar nicht vorhandenen Standort-Konzepten, die viele eher an Ideen des Prater-Wurstels erinnern.

So kommt es, dass im Fall der TU eine einzige Universität in Wien über rund 40 Standorte verstreut ist. Die Universität für Bodenkultur verteilt sich auf den 18. und 19. Bezirk - sowie Tulln in Niederösterreich. Ganz zu schweigen von den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, deren Situation sich zwar dank dem Alten AKH etwas verbessert hat - ihre Studenten werden aber nach wie vor kreuz und quer durch die Stadt geschickt. Gefürchtet ist etwa ein Ausflug zum Publizistik-Institut in die Währinger Schopenhauerstraße - also ins verkehrstechnische Nirvana.

Im Vergleich dazu wird sich die neue WU dank U2-Anschluss im Paradies befinden; ansonsten bleibt abzuwarten, wie befruchtend der Standort aufgrund der Nähe zum Messegelände wirklich ist - nämlich im Hinblick auf fächerübergreifendes Forschen und die Ausrichtung auf späteres Arbeiten. Beides wäre bei einer Zusammenlegung von WU und TU deutlich besser zum Tragen gekommen. Doch gegen einen Umzug auf das einstige Flugfeld Aspern gab es zu viele Widerstände, weshalb die TU in den kommenden Jahren lieber ihre Institute verdichtet und im Zuge dessen auch einige wenige Standorte bereinigt.

Andere größere Standort-Konzentrationen sind in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Melden Universitäten Flächenbedarf an, wird wohl die Bundesimmobiliengesellschaft Expansionsflächen in Instituts-Nähe suchen und anbieten. Schließlich kann seit der Universitäts-Autonomie auch kein Rektor mehr zu Um- oder Auszügen genötigt werden.

Die Ursache der Misere liegt freilich Jahrzehnte zurück - als sich die Unis ihre Plätze in den inneren Bezirken erkämpften und diese dann nicht mehr hergaben. Früher funktionierte das ohne übergeordneten Plan - heute wäre er dringend nötig. Denn angesichts horrender Erhaltungskosten mancher Gebäude wären in vielen Fällen Neubauten und Zusammenlegungen ungleich effizienter.

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