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Wo die Midterms entschieden werden

Von WZ-Korrespondentin Nicole Hofmann

Politik

Die Republikaner benötigen zumindest einen Sitz mehr, um die hauchdünne Mehrheit der Demokraten im Senat zu brechen. Den Ausschlag könnten einige Bundesstaaten geben.


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Es ist ein erbittertes Rennen um jedes Mandat. Immerhin geht es bei den US-Midterm-Wahlen um die künftigen Machtverhältnisse auf dem Kapitol in Washington, das den Kongress beherbergt. Die Republikaner müssen am heutigen Dienstag zumindest einen Senatssitz dazugewinnen, um die hauchdünne Mehrheit der Demokraten im Senat zu brechen. Das Verhältnis da beträgt 50 zu 50; bei Stimmengleichheit kann Vizepräsidentin Kamala Harris eine Entscheidung herbeiführen. Während den Umfragen folgend derzeit davon auszugehen ist, dass das Repräsentantenhaus nach dem Votum ziemlich sicher in republikanischer Hand sein wird, scheint im Senat das Ergebnis noch offener. Wenn die Republikaner - was möglich ist - Pennsylvania verlieren, müssten sie zwei bisher demokratische Sitze erringen, um ihr Ziel zu erreichen.

Ob der Senat in demokratischer Hand bleibt, könnte sich nun vor allem bei diesen Rennen entscheiden.

Pennsylvania: Fernsehdoktor gegen Kapuzenpulli-Träger

Um den Senatssitz bewerben sich der Demokrat John Fetterman und der von Ex-Präsident Donald Trump in einem hochumstrittenen Vorwahlkampf durchgesetzte Fernsehdoktor Mehmet Oz. Der betont volksnahe, stets im Kapuzenpullover auftretende Fetterman hat seine Favoritenrolle zunehmend verloren, seit die Folgen seines Schlaganfalls bei einer Fernsehdebatte sichtbar wurden. Auch seine unklare Haltung zum Thema Fracking - ein in Pennsylvania wichtiger Wirtschafts- und Jobfaktor - wurde nicht gut aufgenommen.

"Dr. Oz" hat seine Karriere als Fernsehdoktor in der berühmten Talkshow der Fernsehikone Oprah Winfrey gestartet, bevor er sich der Politik zuwandte. Über seine pseudowissenschaftlichen Aussagen kursieren zahlreiche spöttische Memes in den sozialen Netzwerken. Zuletzt musste Oz einen Rückschlag hinnehmen, als Oprah Winfrey in einer Stellungnahme betonte, wenn sie in Pennsylvania wahlberechtigt wäre, würde sie ganz klar Fetterman ihre Stimme geben.

Die Wichtigkeit, die diesem Rennen von beiden Parteien zugemessen wird, zeigt sich auch darin, dass sowohl Trump als auch Präsident Joe Biden und - die derzeitige Wunderwaffe der demokratischen Kampagnen - Ex-Präsident Barack Obama letzte Woche in Philadelphia aufgetreten sind. Das Mandat ist derzeit in republikanischer Hand und gilt als die größte Chance für einen Zugewinn der Demokraten. Pennsylvania hat 2020 für Biden gestimmt. Die letzten Umfragen vom Samstag zeigen ein Ergebnis von 51 Prozent für Fetterman zu 44 Prozent für Oz; bei den Wählerinnen sind es 55 Prozent für Fetterman und 37 Prozent für Oz.

Arizona: Ex-Astronaut gegen Wahlleugner

Hier treten der bisherige - durch eine Zwischenwahl im Jahr 2020 gewählte - demokratische Senator und frühere Astronaut Mark Kelly gegen den von Trump unterstützten Wahlleugner Blake Masters an. Dieser ist politischer Neuling und wurde von seinem ehemaligen Chef, dem Milliardär und Investor Peter Thiel, finanziell in den Vorwahlen unterstützt. Nach anfänglichem Zögern wird er nun auch von großen Teilen der republikanischen Partei gestützt, nachdem es ihm gelungen ist, zuletzt den Abstand zum führenden Mark Kelly deutlich zu verringern.

Masters hatte in einer Debatte das Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2020 nicht klar genug geleugnet und wurde daraufhin von Trump öffentlich zurechtgewiesen, worauf er Besserung gelobte. 2020 hatte Joe Biden das Votum in Arizona mit einem Vorsprung von weniger als 10.500 Stimmen gewonnen. Die jüngsten Umfragen sehen auch bei diesen Wahlen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das keine Prognose zulässt.

Georgia: Pastor gegen Ex-Footballspieler

In Georgia bewirbt sich der Demokrat und Pastor Raphael Warnock um seine erste volle Amtsperiode, nachdem er den Senatssitz bei Zwischenwahlen 2020 als erster schwarzer Senator dieses Bundesstaates erlangen konnte. Sein - ebenfalls schwarzer - republikanischer Herausforderer Herschel Walker gehört zu den schillerndsten und umstrittensten von Trump durch die Vorwahlen gehievten Kandidaten. Der ehemalige Profi-Footballspieler hat schon vor dem Wahlkampf mit Verschwörungstheorien bezüglich des Präsidentschaftsvotums 2020 aufhorchen lassen. Dass ihm zahlreiche darüber hinausgehende Lügen - über seinen angeblichen Collegeabschluss, über seine angebliche Tätigkeit als Polizist, über die Anzahl seiner Kinder - nachgewiesen wurden, scheint ihm bei seiner Kandidatur nicht wesentlich zu schaden. Auch nicht, dass der als strenger Abtreibungsgegner auftretende Walker von Ex-Freundinnen beschuldigt wird, sie zur Abtreibung überredet und dafür auch bezahlt zu haben, wofür entsprechende Rechnungen und Überweisungsbestätigungen vorgelegt wurden.

In Georgia wurde eine Rekordzahl an Stimmen bereits im Vorfeld abgegeben. In Umfragen konnte Herschel Walker in den letzten Wochen den Rückstand auf Raphael Warnock so verringern, dass dieses Rennen durchaus durch einige tausend Stimmen entschieden werden könnte. Allerdings tritt neben Warnock und Walker auch noch der libertäre Chase Oliver bei dieser Wahl an. Oliver werden zwar nicht mehr als 1,6 Prozent der Stimmen vorausgesagt, doch könnte seine Bewerbung zu einer Stichwahl im Dezember führen, wenn weder Warnock noch Walker mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erreichen.

Nevada: Entscheidung in Latinogemeinschaft

Das Ringen um die Kontrolle des Senates könnte sich auch durchaus im Bundesstaat Nevada entscheiden. Hier haben die Umfragen von Anfang an ein Kopf-an-Kopf-Rennen gezeigt. Die demokratische Senatorin Catherine Cortez Masto, die die erste Senatorin mit Latinohintergrund war, tritt gegen ihren republikanischen Herausforderer Adam Laxalt an. Dieser gilt als einziger Kandidat, der sowohl von Trump als auch vom Minderheitenführer im Senat, Mitch McConnell, volle Unterstützung genießt. Er gilt zwar als Wahlleugner, hat sich diesbezüglich aber zurückgehalten und bei seiner Kampagne eher auf die wahlzündenden Themen Wirtschaft und Inflation konzentriert, während Cortez Masto hauptsächlich den Zugang zu Abtreibungen thematisiert hat.

Das Votum in Nevada wird wohl von den Wählerinnen und Wählern mit Latinohintergrund entschieden werden, die einen relevanten Anteil der Gesamtwählerschaft im von der Corona-Pandemie wirtschaftlich hart getroffenen Silver State ausmachen. Donald Trump konnte 2020 an die 35 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe in Nevada für sich gewinnen.

Wisconsin: Republikanischer Kampf um Wiederwahl

Hier treten der bisherige republikanische Senator Ron Johnson - einziger republikanischer Senator, der zur Wiederwahl steht - und sein demokratischer Herausforderer Mandela Barnes in einem Bundesstaat gegeneinander an, der 2020 für Joe Biden gestimmt hat. Mandela Barnes wäre der erste schwarze Senator, der aus Wisconsin nach Washington D.C. entsandt wird.

Ron Johnson war an den Umsturzplänen 2020/21 beteiligt und gilt als Impfverweigerer. Nachdem er zwischenzeitig einige Prozentpunkte geführt hatte, haben die Republikaner ab Ende September laut "Huffpost" 1,6 Millionen Dollar vornehmlich in Werbespots investiert. Diese stellen Herausforderer Barnes als einen Politiker dar, der die Grenzen öffnen, alle Strafgefangenen freilassen und die Polizei abschaffen würde. Diese - von Kritikern als rassistisch bezeichnete - Fernsehkampagne scheint zu wirken. Umfragen zeigen jetzt einen leichten Vorsprung für Johnson, wobei Prognosen bezüglich Wisconsin traditionell unzuverlässig sind.