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Wo ist eigentlich die böse Inflation geblieben?

Von Christian Ortner

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Christian Ortner.

Die wichtigen Zentralbanken drucken massenhaft Geld - doch die befürchtete Geldentwertung ist bis jetzt ausgeblieben. Scheinbar.


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Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2007 drucken die wichtigsten Notenbanken der Welt Geld in einmal mehr (USA) und einmal weniger (Europa) schwindelerregenden Mengen. Trotz dieser irren Summen aus dem Nichts geschöpften Geldes stiegen die Konsumentenpreise (landläufig unpräzise als "Inflation" bezeichnet) nicht eben dramatisch an. Von jener Hyperinflation, die vor allem Deutsche und Österreicher mit sich rasend schnell drehenden Banknotenpressen assoziieren, sind die etwa in Österreich um derzeit 1,4 Prozent steigenden Preise doch Lichtjahre weit entfernt; manche Ökonomen warnen schon vor den Gefahren einer angeblich drohenden Deflation.

Kein Wunder also, dass etwa der Publizist Peter Michael Lingens im "profil" unlängst über "die krisengebeutelte Inflation" spottete: "Karl Popper zöge nach so viel realer Falsifikation eine weitere Möglichkeit in Betracht: dass der behauptete Zusammenhang zwischen Gelddrucken und Inflation in dieser Form einfach falsch ist."

Nun wird jeder, der gelegentlich im Supermarkt einkauft, der offiziellen Preissteigerungsrate von 1,4 Prozent mit Misstrauen begegnen - aber darum geht es in diesem Kontext nicht. Auch eine etwas realistischer angenommene Inflation von 4 bis 5 Prozent belegt nicht einmal annähernd, dass die jahrelange massive Gelddruckerei zu einer dramatischen Entwertung des Geldes führt.

Falsifiziert ist der Zusammenhang zwischen Gelddrucken und Inflation dadurch freilich nicht wirklich. Denn zwar hat sich das Niveau der Verbraucherpreise nicht dramatisch erhöht, dafür aber - als Folge der aufgeblähten Geldmenge - der Preis nahezu aller "Assets", mit deren Hilfe Menschen ihre Ersparnisse werterhaltend aufbewahren können: Firmenanteile wie Aktien, Immobilien, Edelmetalle, sogar Schuldverschreibungen einigermaßen solider Schuldner. Sie alle wurden deutlich - teils sogar massiv - teurer. So konnte man 2007 für 1000 Euro rund zwei Unzen Gold kaufen, 2013 ist es gerade noch eine Unze plus ein bisschen Wechselgeld, trotz des massiven Kurssturzes in den vergangenen Monaten. Und konnte man damals für 250.000 Euro noch 125 Quadratmeter Wohnungseigentum in mittlerer Wiener Lage erwerben, sind es heute 80 Quadratmeter. Und wer 2007 für eine Million Euro noch etwa 500.000 Aktien der Post AG bekam, kann sich darum heute bloß eine Viertelmillion Stück des Wertpapieres kaufen.

Deutlicher kann man eigentlich kaum zeigen, dass der Zusammenhang zwischen der Aufblähung der Geldmenge und der Entwertung des Geldes leider nicht im Geringsten falsifiziert ist, ganz im Gegenteil. Sie äußert sich derzeit bloß nicht in einem rasenden Anstieg der Konsumentenpreise, sondern in einem rasenden Anstieg der Preise von Sachwerten aller Art.

Für die Menschen ist das nur scheinbar die weniger üble Variante. Denn wer etwa als junger Mensch heute eine Eigentumswohnung für sich und seine Familie erwerben will und feststellen muss, dass das mit normalem Einkommen kaum noch möglich ist, wird unsanft feststellen, welche Auswirkungen das Gelddrucken auf seine Kaufkraft hat.

ortner@wienerzeitung.at