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Wo wäre Österreich?

Von Simon Rosner

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Die Aufstockung der EM verwässert nicht die Qualität, sie gibt dafür den vielen Mittelklasseteams in Europa eine faire Qualifikationschance.


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Jetzt, mitten im Viertelfinale, wenn sich die Besten der Besten von ihrer besten Seite zeigen, ist es höchste Zeit, sich Gedanken über Österreichs Nationalteam zu machen. Und spätestens nach der Chancenlosigkeit der Tschechen gegen Portugal ist ein Befund durchaus legitim: Das könnten wir auch. Und ich meine nicht das Offensivfurioso der Portugiesen in der zweiten Hälfte.

Auch wenn die Euro bereits die eine oder andere Überraschung in der Vorrunde erlebt hat, etwa den Sieg der Dänen über die Niederlande, scheint der Abstand zwischen den großen Nationen und den mittleren deutlich angewachsen. Rein spielerisch. Selbst beim Erfolg der Dänen über Holland waren die Rollen sehr klar verteilt, und hätte der Favorit in dieser Partie ein bisschen mehr Entschlossenheit gezeigt, wäre sogar ein deutlicher Sieg der Niederländer drin gewesen.

Außenseitersiege wird es im Fußball immer geben, darum muss man sich nicht sorgen, selbst am Donnerstag wäre das denkbar gewesen, da es die Tschechen waren, die die erste Chance des Spiels hatten. Doch dass mittlere Fußballnationen mit anderen Strategien als purem Konterfußball erfolgreich sein können, wie das früher durchaus der Fall war, scheint heute fast ausgeschlossen. Dafür wächst die Zahl dieser mittelguten Mannschaften in Europa. Der Abstand zwischen Portugal und Tschechien scheint derzeit viel größer als zwischen den Tschechen und vielen Teams, die nicht dabei sind, wie Schweiz, Norwegen, Slowenien oder, natürlich, auch Österreich.

Die Aufstockung der Euro von 16 auf 24 Teams wird so gesehen auch nicht zu einem Qualitätsverlust führen, es werden keine schwächeren Teams dabei sein als dieses Mal, nur eben mehr Mittelklassemannschaften. Doch die Qualifikation ist immer mehr zum Glücksspiel geworden, bei der die Auslosung eine viel größere Bedeutung hat als die Qualität der gegenwärtigen Kicker-Generation.

Die Weißrussen etwa sind Dritter der U21-EM geworden und beim olympischen Fußballturnier dabei, sie haben eine junge, hoffnungsvolle Mannschaft und in der Qualifikation einen Punkt mehr als Österreich gemacht, doch Brasilien 2014 kann sich Weißrussland in einer Gruppe mit Spanien und Frankreich vermutlich einrexen. Pech gehabt. Die Tschechen hatten dagegen für 2012 Glück, sie mussten Platz zwei hinter Spanien nur gegen Schottland und Litauen verteidigen, was sie mit Ach und Krach sowie einer Pleite daheim gegen Litauen schafften. Im Play-off überwanden sie dann Montenegro.

Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen den Mittelklasseteams. Kroatien, Schweden oder Dänen sind sehr regelmäßig bei großen Turnieren dabei, nicht durch Glück, sie sind dichter besetzt als Montenegro, Slowenien oder Österreich. Dennoch sind sie in der Vorrunde gescheitert. Die Dänen und Kroaten waren gegen Deutschland und Spanien ganz klar unterlegen. Es wird spannend zu sehen, wie groß der Abstand zwischen Schweden und Österreich ist. Er wird wohl ein geringerer sein, als im ersten Viertelfinale zwischen Portugal und Tschechien.