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Wohnsitz bestimmt Finanzamt für Firma

Von Erich Wolf

Wirtschaft
Neue Zuständigkeiten - neue Gesichter: Verschiebungen beim Fiskus. Foto: bbox

Der Wohnsitz ist künftig für Fiskus ausschlaggebend. | Änderungsantrag mit wichtigem Grund möglich. | Wien. Das Finanzamt, in dessen Amtsbereich der Steuerzahler seinen Wohnsitz hat, ist künftig generell für die Erhebung der Einkommensteuer, der Umsatzsteuer und der Lohnabgaben für Unternehmer zuständig.


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Das Wohnsitzfinanzamt ist ab 1. Juli 2010 auch dann örtlich zuständig, wenn ein oder mehrere Betriebe eines Unternehmens im Bereich anderer Finanzämter gelegen sind. In diesem Fall war bisher das sogenannte "Betriebsfinanzamt" zuständig.

Wenn also beispielsweise ein Unternehmer seinen Wohnsitz im 20. Bezirk hat und eine Betriebsstätte im 11. Wiener Gemeindebezirk, dann wechselt das zuständige Finanzamt vom Finanzamt Wien 3/11 auf Finanzamt Wien 2/20/21/22. Die heimischen Unternehmer müssen sich somit an neue Gesichter des Fiskus gewöhnen.

Wegen der geänderten Rechtslage erhalten derzeit zahlreiche Unternehmer Post vom Finanzamt. Darin wird der Finanzamtwechsel angekündigt.

Der Unternehmer kann aber aus wichtigem Grund den Antrag stellen, dass ihm sein bisheriges Finanzamt erhalten bleibt. Ein wichtiger Grund wäre beispielsweise die große Entfernung zwischen seiner Wohnung und der Betriebsstätte.

Betriebsfinanzamt für Kapitalgesellschaften

Ein eigenes Betriebsfinanzamt gibt es ab 1. Juli 2010 im Regelfall nur mehr für Kapitalgesellschaften (insbesondere GmbHs) sowie für Personengesellschaften.

Maßgeblich ist in diesen Fällen der Ort der Geschäftsleitung. Die neuen Zuständigkeiten gelten somit nur für natürliche Personen.

Auch bei Hausgemeinschaften ändert sich nichts, zuständig bleibt das Lagefinanzamt, wo sich die betreffende Immobilie befindet.

Vorsicht bei einer Selbstanzeige

Wenn eine Selbstanzeige über Steuerhinterziehungen oder wegen begangener Fehler in der Abgabenerklärung an das unzuständige Finanzamt geht, drohen drastische Konsequenzen. In der Praxis scheitern viele Selbstanzeigen, weil sie an die falsche Behörde gerichtet sind.

Beim Fiskus den jeweils richtigen Adressaten zu finden, scheint in der Praxis oft gar nicht so einfach. So ist beispielsweise für die Grunderwerbsteuer eine andere Behörde zuständig als für die Umsatzsteuer.

Eine Selbstanzeige an eine unzuständige Abteilung zu richten, führt direkt ins Verderben: Das "falsche" Amt wird nämlich unverzüglich die "richtige" Behörde informieren, die angezeigte Tat gilt somit als entdeckt - und eine nochmalige Selbstanzeige an die richtige Behörde ist nun nicht mehr straffrei.

Vor einer Selbstanzeige heißt es also, sich ganz genau zu erkundigen, in wessen Zuständigkeitsbereich diese Causa tatsächlich fällt.

Erich Wolf ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Wien