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Ein spitzbübischer 46-jähriger Freiheitskämpfer und Bandleader zelebriert das Weißrussland, das Präsident Lukaschenko gerne verdrängen würde.
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Wenn Ljawon Wolski die Bühne betritt, vergisst sein Publikum für zwei Stunden, dass es in dem Land lebt, das als letzte Diktatur Europas bezeichnet wird. In seiner Heimat Weißrussland steht der Musiker auf einer Schwarzen Liste, die jene Künstler beinhaltet, die der Regierung nicht genehm sind. Damit einher geht ein Auftrittsverbot: Veranstalter sagen ihm entweder direkt ab, oder es wird - wie er erzählt - von den Behörden nachgeholfen. Doch dann und wann gelingt es ihm, ein Konzert im Ausland zu organisieren. Dann folgen ihm Fans und erleben, wie er mit seiner Band "Krambambulya" eine andere Welt, eine Welt der Freiheit auferstehen lässt.
So wie Marie von Ebner-Eschenbach Werk "Krambambuli" ist auch der Bandname von dem rötlich-braunen Wacholder-Branntwein inspiriert. Mit "Krambambulya" zelebriert Wolski das Weißrussland, das Präsident Alexander Lukaschenko gerne verdrängen würde. Das beginnt schon bei seinen Texten auf weißrussisch. Sie stehen im Gegensatz zur staatlichen Doktrin einer russischen Einheit, der die Vorstellung einer eigenständigen weißrussischen Kultur ungelegen kommt. Ebenso schwenken die Fans die alte weißrussische weiß-rot-weiße Fahne, die auch Wolski an sein Mikrofon geheftet hat. Sie wurde mit der Machtergreifung von Sowjetnostalgiker Lukaschenko durch die rot-grüne aus UdSSR-Zeiten ersetzt. Seither steht weiß-rot-weiß für die Opposition.
Der spitzbübische 46-Jährige ist Freiheitskämpfer, Bandleader, Autor und hat Texte berühmter weißrussischer Dichter als Rocksongs vertont. Seine Musikpalette reicht von Volksmusik über Rock und Funk bis zu Pop. Das klingt einmal so, als hätte die aus "Willkommen Österreich" bekannte Band "Russkaja" einen gemeinsamen Auftritt mit "AC/DC" und Alf Poyer als Leadsänger, dann wieder wie Udo Lindenberg, Hubert von Goisern oder "Ace of Base". Ohrwürmer sind stets ebenso dabei wie Witz, Ironie und der Ruf nach Freiheit. Auftritte hatten "Krambambulya" bisher in nahegelegenen Ländern, die sich noch gut an Sowjetzeiten erinnern können: Tschechien, Deutschland, Polen und - vor kurzem - Litauen. Während die EU ihre aus Weißrussland abgezogenen Botschafter von der Öffentlichkeit fast unbemerkt wieder nach Minsk zurückgeschickt hat, trat Wolski mit seiner Band in Vilnius auf. 3000 Gratis-Visa hat Litauen für die Konzertbesucher vergeben, die sich die 60 Euro wohl nicht leisten hätten können.
Der Besuch ist riskant genug. Da die weißrussische Regierung Reisen zu Oppositionsveranstaltungen nicht toleriert, droht etwa Studenten zumindest der Verweis von der Universität. Doch das Risiko sind sie für die Momente der Freiheit gerne bereit zu tragen. Wolski selbst hat keine Angst mehr: "Ich werde weiterhin meine Kunst machen. Koste, was es wolle."
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