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Wühlen im Sprachschatz

Von Christina Böck

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Diese Woche wurde das deutsche Jugendwort des Jahres gekürt. Es lautet "Babo". Keine Angst, auch in der Feuilleton-Redaktion der "Wiener Zeitung" musste das gegoogelt werden. Der Begriff stammt aus dem Türkischen und bedeutet Anführer. Er startete seinen Siegeszug von einem Rapsong aus. Das ist wiederum nicht ganz neu, dass ein Songtext so eine Karriere im Wortschatz Jugendlicher hinlegt: Das österreichische Jugendwort des vorigen Jahres war "leider geil" - so hieß ein Lied der Gruppe Deichkind.

Die Wahl des österreichischen Jugendwortes (und des Wortes und Unwortes) ist übrigens noch nicht geschlagen, man kann sich noch beteiligen. Kann man beim Wort des Jahres wohl von einem Sieg für "frankschämen" ausgehen, ist das Rennen bei den Jugendwörtern durchaus offen. Da steht nämlich ein Dauerbrenner wie Oida (alternativ auch Oeda geschrieben) genauso zur Wahl wie vergleichsweise originelle Kreationen wie Komasutra. Dass die österreichische Jugend der deutschen offenbar ein bisschen nachhinkt, zeigt sich darin, dass das Wort YOLO (die Abkürzung für You only live once, Sinnspruch der Twittergeneration) hier erst heuer zur Wahl steht. In Deutschland war es bereits im Vorjahr Jugendwort des Jahres.

Apropos Twitter: In einer Aktion mit überraschendem Gerechtigkeitssinn formierte sich am Tag der "Babo"-Verkündung die kollektive Suche nach dem Seniorenwort des Jahres. Das kann man nur unterstützen, fallen doch viele einst alltägliche Worte wie Büberei, Tanztee oder Silberpapier allzu schnell der Vergessenheit anheim. Beziehungsweise landen im Coloniakübel.