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Wunsch nach Jobwechsel auf hohem Niveau

Wirtschaft
In kaum einem Bereich der heimischen Wirtschaft wird derzeit nicht "händeringend" nach Personal gesucht. Auch in der Gastronomie sind viele Stellen offen.
© stock.adobe.com / SimpLine

In der Gastronomie wollen sich besonders viele Beschäftigte beruflich verändern. Die Arbeiterkammer Oberösterreich pocht einmal mehr auf bessere Arbeitsbedingungen.


Nicht jeder, der den Wunsch nach einem Jobwechsel verspürt, leidet unter schlechten Arbeitsbedingungen. Man fühlt sich vielleicht unterfordert oder möchte etwas ganz Neues machen. Den stärksten Wechselwunsch haben aber laut einer neuen Umfrage - wenig überraschend - Arbeitnehmer, die etwa mit ihren Arbeitszeiten oder ihrer Bezahlung unzufrieden sind, keine Aufstiegsmöglichkeiten wahrnehmen oder sich von Vorgesetzten und Kollegen zu wenig unterstützt sehen.

Wunsch nach Veränderung mit den Jahren gestiegen

Der Anteil derer, die sich beruflich verändern wollen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut einer Sonderauswertung des Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Österreich, deren Ergebnisse am Freitag in einer Pressekonferenz präsentiert wurden, wollten 2015 noch 16 Prozent der unselbständig Beschäftigten den Job wechseln. 2019 waren es schon 20 Prozent, derzeit sind es quer über alle Branchen 24 Prozent. Deutlich über dem Durchschnitt liegt mit 39 Prozent der Tourismus.

Dass (auch) dort Personalmangel herrscht, ist allgemein bekannt. Ebenso, dass Arbeiterkammer und Gewerkschaft hauptsächlich unattraktive Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung dafür verantwortlich machen. So zeigt denn auch der neueste Index zum Arbeitsklima, dass nur 44 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie mit ihrem Einkommen zufrieden sind. Über alle Berufe gerechnet beträgt der Prozentsatz 59 Prozent. 62 Prozent der Gastro-Mitarbeiter finden ihre Arbeitszeiten in Ordnung, das sind um sechs Prozentpunkte weniger als der Durchschnitt, geht aus der Sonderauswertung des Arbeitsklima-Index hervor.

Der Index wurde im Jahr 1997 von den Meinungsforschungsinstituten Ifes und Sora für die Arbeiterkammer Oberösterreich entwickelt und gilt als ein Indikator für Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbelastungen im Beruf. Basis für den Index sind Befragungen von 4.000 Beschäftigten in Österreich pro Jahr. Die Gastronomie schneidet von je her nicht gut ab. Seitens der Arbeitgeber, die sich ihre Branche nicht schlechtreden lassen wollen, würden immer wieder Aufforderungen kommen, "wir sollen uns das differenzierter anschauen", sagte der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Andreas Stangl.

Sehr viele Wirte würden sich bemühen, betonte er. Es gebe aber auch die, die sich nicht gerade vorbildlich benehmen würden, so Stangl. Das zeige die hohe Zahl an Fällen aus der Gastronomie, die in der Rechtsabteilung der Arbeiterkammer abgewickelt werden. "15 Prozent aller Rechtsfälle haben wir in dem Sektor", sagt Stangl. Er verweist auch auf die hohe Drop-Out-Quote bei Restaurantfachkräften. Mitarbeiter aus dem Ausland zu holen (Stichwort Rot-Weiß-Rot-Karte), sei aber nicht die Lösung. Vielmehr sollten die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Die Wirtschaftskammer Oberösterreich forderte unterdessen "dringend weitere praxisnahe Anpassungen" der Rot-Weiß-Rot-Karte. Diese wird für zwei Jahre ausgestellt und ist gleichzeitig Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Im Juli 2022 war eine Reform beschlossen worden, um Unternehmen das Rekrutieren von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern zu erleichtern.

Jobwechsel nichtimmer freiwillig

Zurück zum Arbeitsklima-Index. Ein Wechselwunsch, der sich realisieren lässt, ist die eine Seite, ein unfreiwilliger Wechsel die andere. "Über alle Berufe haben 14 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahren den Job gewechselt", sagte Martin Oppenauer vom Ifes-Institut.

Vor allem Menschen mit ganz geringer Ausbildung, aber auch Beschäftigte mit Hochschulabschluss hätten seit dem Jahr 2021 den Arbeitgeber gewechselt. Die Gründe dafür seien nicht explizit abgefragt worden. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass es bei Beschäftigten, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, häufiger zu unfreiwilligen Jobwechseln gekommen sei und sie gezwungen gewesen seien, sich um eine andere Stelle umzusehen.(ede)