)
Weihnachten naht, die Zeit, Wünsche zu formulieren. Zu dieser Zeit dürfen es auch Wünsche sein, die nach unserer Erfahrung wenig Aussicht auf Erfüllung haben. Aber wer weiß, wenn wir ganz fest an das Christkind glauben und es die Sache persönlich in die Hand nimmt . . . ?
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Bei meinen Wünschen geht es nicht um die üblichen Gebrauchsgegenstände oder Luxusartikel oder Genussmittel. Ich wende mich an das Christkind, weil ich Österreicher und Europäer bin und Sorgen habe. Was ich mir wünsche? Nur drei einfache Dinge, eigentlich Selbstverständlichkeiten, die kaum Geld kosten, ja in den meisten Fällen sogar Geld bringen.
Da wäre einmal die Bitte, darauf hin zu wirken, dass die Politik angesichts des rasanten Anstiegs der Staatsschulden in den nächsten zwei oder drei Jahren alle Ansinnen auf Mehrausgaben zurückweist. Ausgenommen natürlich solche, die rasch zu höherem Wachstum und damit höheren Staatseinnahmen führen. Ich möchte diesen Wunsch noch um eine Kleinigkeit ergänzen: Lass bitte die Politiker, die in der Sparpolitik am erfolgreichsten sind, zu unseren Lieblingen werden. Schließlich engagieren sich diese für unsere Kinder und Kindeskinder.
Mein zweiter Wunsch ist, dass das Christkind nicht nur meine Wünsche erfüllt, sondern auch jene unserer Spitzenpolitiker. Nahezu täglich wiederholen sie ihre dringenden Anliegen: eine Verwaltungsreform, eine Reform des Gesundheitssystems, die nachhaltige finanzielle Absicherung des Pensionssystems, die Verbesserung unseres Ausbildungs- und Weiterbildungssystems,.. . Liebes Christkind, bitte leg ihnen die notwendige Klugheit, Kraft und Entschlossenheit auf den weihnachtlichen Gabentisch.
Ich wünsche mir drittens ein starkes Europa in der globalisierten Welt. Das zu erreichen, kann doch nicht schwer sein. Ich denke mir, dass es dabei eigentlich nur um zwei Dinge geht: Die Mitgliedsstaaten stellen in wichtigen Fragen nationale hinter europäische Interessen - davon profitieren wir doch alle. Und für die Führungsfunktionen in der EU werden die fähigsten Persönlichkeiten bestellt. Sieht Du das auch so?
Natürlich wäre es schön, wenn Du darüber hinaus wenigstens einige Hinweise geben könntest, wie wir die großen Probleme dieser Welt lösen können. Und davon gibt es ja genug. Armut, Hunger, Klimaveränderung, Kriegsgefahren. Vielleicht könntest Du kleine Zettelchen mit den wichtigsten Hinweisen an den Christbäumen festmachen?
Nein diesen Wunsch ziehe ich wieder zurück und hebe ihn mir für nächste Weihnachten auf. Seine Erfüllung zusätzlich zu den drei bereits ausgesprochenen ist wohl auch für das Christkind zuviel verlangt. Und im Übrigen habe ich mir ja vorgenommen, nur drei Wünsche an Dich zu richten.
Erhard Fürst war Leiter der
Abteilung Industriepolitik/Wirtschaft in der Industriellenvereinigung.

)
)
)