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"Wursteln wir so weiter, fliegt uns der Laden um die Ohren"

Von Karl Leban

Wirtschaft

Deutscher Ex-Finanzminister Steinbrück: "Griechen brauchen Schuldenschnitt."


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Wien. "Machen wir uns nichts vor: Griechenland ist pleite." Peer Steinbrück spricht aus, was etliche seiner Politikerkollegen mittlerweile längst wissen, in der Öffentlichkeit aber nicht sagen wollen. Eine Fortsetzung des "Durchwurstelns" hält der frühere deutsche Finanzminister jedenfalls für brandgefährlich: "Sollte Griechenland noch ein drittes Rettungspaket brauchen, fliegt uns der Laden um die Ohren."

Für Steinbrück, der als möglicher Kanzlerkandidat der SPD gehandelt wird, ist deshalb ein radikaler Schuldenschnitt unvermeidbar. "Das Ob ist da nicht mehr die Frage, sondern nur noch das Wie und Wann", betonte der Politiker bei einem Wien-Besuch auf Einladung der Hypo NÖ. Beim Wie gehe es vor allem darum, die Kollateraleffekte für das übrige Europa möglichst gering zu halten.

Der Schuldenberg der Griechen ist bereits auf 370 Milliarden Euro angewachsen. "Selbst mit immer neuen Sparprogrammen wird es das Land nicht schaffen, seine Finanzen in Ordnung zu bringen", ist Steinbrück überzeugt. Dass die Banken bei einem Schuldennachlass rekapitalisiert werden müssten (beginnend mit den hellenischen), sei klar. Doch diese hätten ihre Griechenland-Anleihen ohnehin schon deutlich abgeschrieben oder aber an die Europäische Zentralbank weitergereicht. Eine Bankenkrise im Fall eines "Haircuts" sieht Steinbrück offenbar nicht.

Geht es nach ihm, müsste nach einem Schuldenschnitt auch Aufbauhilfe für Griechenland geleistet werden, um das Abdriften seiner Wettbewerbsfähigkeit einzudämmen. Dafür gäbe es auf EU-Ebene genug Geld. Falls das nicht reicht, wäre eine Finanztransaktionssteuer denkbar - auch im Alleingang von sechs bis acht Ländern, darunter Deutschland und Österreich.

Mit Griechenland und Co. steht aus Sicht Steinbrücks viel auf dem Spiel: "Wenn der Euro scheitert, wird die europäische Integration um 20 Jahre zurückgeworfen."