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Wurstsemmel auf Kredit

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Schnell und bargeldlos: Karte hinhalten, piep, bezahlt.

Der Handel könnte Kunden das Barzahlen abgewöhnen - Vorbild dafür sind Skilifte.


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Wien. Wer im Supermarkt eine Wurstsemmel um 1 Euro kauft und diese mit Bankomatkarte bezahlt, erntet oft ärgerliche Blicke. Nicht nur von der Kassiererin, sondern vor allem von der wartenden Kundenschlange an der Kassa. Abhilfe soll nun das "kontaktlose Bezahlen" schaffen. Ein System, das Wintersportler bereits von den Zutrittskontrollen bei Skiliften kennen.

Zielpunkt bietet als erster Lebensmittelhändler in Österreich ein Bezahlsystem an, bei dem bis zu einem Betrag von 25 Euro mit Kreditkarte - ohne Pin-Eingabe und Unterschrift - bezahlt werden kann. Der Kunde muss seine Karte nur nahe an ein Lesegerät an der Kassa halten; mit Ertönen eines Pieptons ist die Zahlung in wenigen Sekunden erledigt. Abgerechnet wird mit der Kreditkartenabrechnung am Monatsende.

"Die Bezahlvorgänge dauerten für uns bisher zu lange. Mit einer PayPass-Karte entfällt die Suche nach dem Kleingeld", erklärt Jan Satek, Vorstandsvorsitzender von Zielpunkt. Erleichterung bringe kontaktloses Zahlen auch für die Mitarbeiter. Der Geldumlauf in den Filialen werde reduziert, Falschgeld sei kein Thema, und es sei auch hygienischer als Münzgeld. Zielpunkt will schrittweise in allen 300 Filialen in Österreich PayPass-Terminals installieren. Den Anfang machen die 39 Filialen in den Wiener Bezirken 1 bis 9. Bis Juni 2012 sollen sukzessive die restlichen folgen.

Auch Rewe prüft Einstieg

Ausgegeben werden die Kreditkarten mit der neuen Bezahlfunktion derzeit nur von der Raiffeisen Bank International in Zusammenarbeit mit dem Kreditkartenanbieter MasterCard. Interessenten können die Karte in den Filialen oder online ordern - auch ohne Raiffeisen-Konto. Auch die Erste beschäftigt sich mit dem Thema: "Es ist eine interessante Technologie, die sich in Österreich durchsetzen wird", so ein Bank-Sprecher. Allerdings wolle man erst mit von der Partie sein, wenn die große Welle gestartet sei.

Tatsächlich sprechen Fachleute häufig von einem "Henne-Ei-Problem": Die Anzahl der bisher ausgegebenen Karten ist noch überschaubar, weil der Handel diese Bezahlmöglichkeit kaum anbietet. Während vor allem in Deutschland, Polen, der Türkei oder der Schweiz bereits in Parfümerien, Buchgeschäften, Tankstellen oder Trafiken mit der Karte bezahlt werden kann, steckt Österreich noch in der Aufwärmphase.

Kontaktloses Bezahlen ist hierzulande bisher beim Drogerie-Diskonter Schlecker und in einem Lokal von Burger King in Parndorf sowie in den Wiener Raiffeisen-Kantinen möglich. Einen baldigen Einstieg in das neue Bezahlsystem testet auch Rewe: "Wir sind an einer flächendeckenden, bankenübergreifenden Lösung interessiert", heißt es von Österreichs größter Handelskette.

Derzeit werden in Österreich rund 75 Prozent aller Lebensmitteleinkäufe bar bezahlt, der Rest per Karte oder auf Rechnung.