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Yukos: Scheibchenweiser Tod

Von Konstanze Walther

Wirtschaft

Zweite Runde der Zwangsversteigerung. | Gazprom sichert sich Einstieg. | Moskau/Rom. Die Skelettierung des ehemaligen russischen Gasriesen Yukos ist ein weiteres Stück vorangetrieben worden. Gestern, Mittwoch, ging die zweite Versteigerungsrunde der Reste des insolventen Konzerns über die Bühne.


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Für 5,8 Mrd. Dollar (bei einem Startpreis von 5,6 Mrd.) erhielt das Konsortium Enineftegaz, bestehend aus den beiden italienischen Energiekonzernen Eni und Enel, den Zuschlag. Damit bekommen die Italiener drei Gas- und Ölfirmen und einen 20-prozentigen Anteil an Gazpromneft, Öltochter des staatlich kontrollierten Erdgaskonzerns Gazprom.

Bereits im Vorfeld wurde allerdings vereinbart, dass die Italiener Gazprom das Recht einräumen, binnen zweier Jahre 51 Prozent an den drei akquirierten Upstream-Unternehmen zu kaufen. Daneben erhält Gazprom eine Kaufoption über 20 Prozent an dem von Enineftegas gekauften Anteil an Gazpromneft.

"Dieser Vertrag ist Teil einer größeren Serie strategischer Abkommen zwischen Russland und unserem Konzern", erklärt ein Sprecher aus der Eni-Zentrale.

Gegengeschäfte

Beide haben dadurch ihre Vorteile: Enineftegaz wurde als Ausländer zur Auktion zugelassen - die anderen beiden Mitbieter waren der staatliche Ölkonzern Rosneft und eine Gruppe, die wiederum in die Nähe von Gazprom zu rücken ist.

Der russische Staat vergibt sich - wie gewohnt - nicht die Möglichkeit der Einflussnahme im Bereich seiner fossilen Energien. Branchenbekannt ist zudem, dass die Russen ausländische Minderheitseigentümer gutheißen - um von ihrem Know-How zu profitieren. Dementsprechend steht auch in dem Vertrag, dass im Falle des Einstiegs Gazproms der russische Konzern "Zugang zu den modernsten Technologien von Eni" haben soll.

Im Gegenzug bekommt Eni durch die gekauften Firmen erstmals seinen Fuß in die Tür des Upstream-Geschäfts - die Exploration, Erschließung und Förderung von Erdgas - noch dazu in Yamal Nenets, der Region mit dem weltgrößten Erdgasaufkommen.

Dass die Bedingungen bei den Yukos-Versteigerungen ob des staatlichen Einflusses schwierig sind, und etwaige Auflagen gerne in Kauf genommen werden, hat schon vergangene Woche die erste Zwangsversteigerungsrunde von Yukos gezeigt.

Der vom Kreml kontrollierte Ölkonzern Rosneft hat um 6,55 Mrd. Dollar die verbliebenen 9,5 Prozent-Anteile der Yukos-Masse an Rosneft ersteigert. Einziger Mitbieter war dabei die russische Tochter des britischen Energiekonzerns BP. Analysten meinten damals, BP erweise Rosneft mit seinem Gebot nur einen Gefallen - denn gäbe es nur einen einzigen Bieter, würde die Auktion abgesagt. Und Rosneft konnte diesen Gefallen leicht fordern: Denn wegen angeblicher Verstöße gegen Auflagen drohte BP der Lizenzentzug für dessen Gasfeld in Südsibirien.

Die noch verbleibenden Teile an Yukos machen laut dem Konkursverwalter rund 10 Mrd. Dollar aus. Das Herzstücks des Energiekonzerns, Yuganskneftegas, ist bereits 2004 in einer Zwangsversteigerung über eine Stroh-Firma an Rosneft gegangen.

Der einstige Eigentümer von Yukos, Michail Chodorkowski, sitzt währenddessen wegen Steuerhinterziehung eine achtjährige Haftstrafe in Sibirien ab. Kritiker werfen der russischen Regierung vor, Yukos mit hohen Steuernachforderungen absichtlich in den Ruin getrieben zu haben.