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Zähe Hilfe für Zusatz-Rentner

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Kassen-Chef Böhm rechnet heuer mit Veranlagungs-Minus. | Fast 40.000 Betriebspensionisten drohen Kürzungen. | Wien. Banken und Versicherungen sparen sich durch entschärfte Bilanzregeln hohe Abschreibungen, den heimischen Pensionskassen hingegen bleiben Erleichterungen bei den Bewertungsvorschriften vorerst verwehrt. Damit droht die Finanzkrise ungebremst auf die Bezieher der von den Kassen verwalteten Zusatzpensionen durchzuschlagen. Im kommenden Jahr muss ein Großteil dieser Betriebsrentner mit Kürzungen rechnen.


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Christian Böhm, Obmann des Fachverbands der Pensionskassen, bestätigt gegenüber der "Wiener Zeitung", dass man die Regierung um eine Änderung der Bilanzierungsvorschriften gebeten hätte. Konkret habe man erreichen wollen, dass Unternehmensanleihen mit guter Bonität, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden, zum Ausgabepreis in den Büchern aufscheinen dürfen. Eine entsprechende Möglichkeit gebe es bereits bei Staatsanleihen.

Dies hätte, so Böhm, helfen sollen, kurzfristige Wertverluste aufgrund der Finanzkrise abzumildern. Bis dato ergibt sich der Veranlagungserfolg der Pensionskassen - von dem in weiterer Folge die Höhe der ausbezahlten Pensionen abhängt - aus dem Tageskurs der jeweiligen Investments am Jahresende.

"Vorsichtige Strategie"

Laut Böhm sind derartige Hilfen für die Pensionskassen aber mittlerweile politisch vom Tisch. Im Finanzministerium schwächt man ab: Die Angelegenheit werde im Rahmen der Regierungsverhandlungen besprochen werden. Letztlich würde eine solche Maßnahme zwar nicht ausreichen, um heuer der Branche ein positives Veranlagungsergebnis zu bescheren, gibt Böhm zu. Ein mildernder Einfluss wäre aber auf alle Fälle gegeben.

Unmittelbar betroffen seien jene 40.000 der derzeit 50.000 Betriebsrentner, deren ehemalige Arbeitgeber nicht nachträgliche Ausgleichszahlungen leisten müssen. Nur für sehr wenige dieser 40.000 hätten die Kassen ausreichende Reserven aufbauen können, um die heurigen Verluste auszugleichen. Allen anderen drohen im kommenden Jahr Pensionskürzungen. Doch auch jene rund 500.000 Personen, die sich in der Ansparphase befinden, werden wohl um den Veranlagungserfolg der vergangenen beiden Jahre umfallen. Bis Ende September betrug die heurige Branchen-Performance minus 8,4 Prozent. Böhm betont allerdings die langfristige Ausrichtung der Pensionskassen. Über die Jahre seien gute Durchschnittsrenditen erzielt worden. 2009 werde man sicher die vorsichtige Veranlagungsstrategie fortsetzen.

Am Dienstagabend hat Andreas Zakostelsky, Chef der gemeinsamen Vorsorge-Holding von Raiffeisen und Uniqa, davor gewarnt, die einzelnen Säulen des Pensionssystems gegeneinander auszuspielen. Die Vorsorge-Holding ist seit Anfang Oktober aktiv. Sie vereint die Öpag Pensionskasse, die ÖVK Vorsorgekasse und die Planpension Vorsorgeberatung unter einem Dach.