Zum Hauptinhalt springen

Zähneputzen darf man auch nicht

Von Christina Böck

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 10 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Das passiert in letzter Zeit wirklich dauernd. Man kann in der Straßenbahn nicht mehr in Ruhe telefonieren, weil neben einem jemand lautstark telefoniert. Man versteht ja sein eigenes Wort nicht! Da kommt die neue Werbekampagne der Wiener Linien gerade recht. Die appelliert an die Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer. Und plakatiert: "Telefonier so viel du willst. Aber bitte nicht hier." Das ist gut. Diese Kakofonie von "Hörst mich?", "Ja, ich bin grad in der Straßenbahn!" und "Pass auf, das war ja gar nicht so, das war ja so! Du, gemma Lugner?" ist nämlich wirklich sehr ermüdend.

Da kann man sich ja gar nicht konzentrieren. Darauf, dass einem nicht der halbe Döner am Schoß landet. Das ist dann immer so eine Sauerei.

Aber mitnichten. Der Döner ist auch auf der Watchlist der Wiener Linien gelandet. Genauso wie zu lautes Knutschen und hingebungsvolles Musikhören. Oder umgekehrt. Auch das Fingernägelschneiden, erfährt man in dieser Kampagne, wird von den meisten Öffi-Benutzern nicht

gern gesehen.

Erst vor einem Jahr etwa hatte die Stadt Wien versucht, den Wienern per Plakat den richtigen Gebrauch des Wortes "Tschuldigen" beizubringen. Es ist nachgerade rührend, wie nun wieder einmal zaghaft probiert wird, an die Grundlagen des guten Benehmens zu erinnern. Also: Waschen wäre super, andere Menschen haben auch ein Trommelfell und Nasen und nicht jeder schlittert gern auf einem Stapel Gratiszeitungen durch den Waggon. Interessant wird freilich noch, ob die Kampagne auch in ebendiesen Zeitungen zu finden sein wird.