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Jeder Mensch hat seinen ganz persönlichen Wohnstil - ob Gelsenkirchener Barock, chaotische Studentenbude oder nobles Designer-Ambiente. Wenn man die vier Wände eines Menschen betritt, dann kann man schon einiges über ihn erfahren, ohne dass man mit ihm gesprochen hat. Grund genug, um sich einmal genauer mit unserem unterschiedlichen Geschmack in Sachen Wohnen zu beschäftigen.
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Eine ungewöhnliche Datingshow war bis vor kurzem der Renner auf einem Privatsender. Dabei konnten die Teilnehmer aus drei Anwärtern wählen. Das Besondere: Die Kandidaten sahen die potenziellen Datingpartner nicht. Sie wählten ihren Traummann oder ihre Traumfrau nur anhand der Eindrücke, die sie in deren Wohnungen sammelten.
Romantiker versus Pragmatiker. Da lässt sich oft schon Erstaunliches feststellen. Und da wird dann der smarte Schönling oder die sexy Blondine ganz rasch aussortiert, weil die Wohnung nicht passt. Unfair? Unseriös? Vielleicht nur auf den ersten Blick, denn oft verraten Wohnungen Charakterzüge und Eigenschaften, die man beim romantischen ersten Candlelight-Dinner gerne versteckt. Schauen Sie sich einmal genau in der Wohnung ihrer Freunde um. Sie werden feststellen, dass die Einrichtung genau zu der Person passt, die sie kennen. Der Romantiker, der von ausgedehnten Strandspaziergängen im Urlaub schwärmt, wird sich nie in einem nüchternen, klar strukturierten Heim wohlfühlen. Er wird seine Wohnung mit diversem "Schnickschnack" dekorieren, wird weiche Kuschelsofas im Wohnzimmer haben und wahrscheinlich ein überdimensionales Himmelbett. Der Pragmatiker, in dessen Leben alles logisch sein muss, der klare Richtlinien setzt und der "keine Zeit fürs Herumtrödeln" hat, wird sich nur Einrichtungsgegenstände in seine Wohnung holen, die klare, simple Formen haben und praktisch sind. Weiche Bettvorleger, Kerzenleuchter oder romantische Bilder an den Wänden wird man in diesem Appartement vergeblich suchen. Spannend wird es, wenn man zum Beispiel die Wohnung einer vermeintlich toughen Business-Frau betritt und statt der erwarteten Nüchternheit in Sachen Wohnungsdekoration plötzlich verschnörkelte Kristallluster und mit Urlaubssouvenirs überdekorierte Regale vorfindet. Dann erkennt man, dass hinter der Fassade eine ganz andere Person steckt. Das passiert öfter als man glaubt.
Unser Innerstes nach außen gestülpt. Unsere Wohnungen drücken aus, was wir im Innersten sind, aber auch unseren Status in der Gesellschaft, sie lassen vielleicht sogar auf unsere Hobbies schließen und geben manchmal auch Hinweise auf den Beruf oder lassen erkennen, ob man Single oder liiert ist.
In den eigenen vier Wänden braucht sich der Mensch nicht mehr zu verstellen, hier fühlt er sich geborgen und frei. Darum leiden ja auch fast alle Menschen nach Wohnungseinbrüchen weniger am Verlust ihrer Wertgegenstände, sondern viel mehr unter dem Verlust ihrer Privatsphäre. Da geht etwas Unwiederbringliches verloren: Das unerschütterliche Sicherheitsgefühl, das man nur in seinen eigenen vier Wänden kennt. Das ist den Tätern wahrscheinlich gar nicht bewusst - aber es würde wohl leider auch nichts an ihrer Einstellung zu fremdem Eigentum ändern...
Unsere Wohnungen sind wie unsere Kleidungsstücke. Nein, sie sind uns noch näher - wir erleben bei Möbeln eine noch größere Intimsphäre. Mit unseren Kleidungsstücken müssen wir uns unter andere Menschen begeben und wir sind dadurch vielleicht ein bisschen konformer, passen uns ein wenig an. Bei Möbeln können wird selbst entscheiden, wer sie sieht. Wir zeigen sie nur Personen, denen wir vertrauen. Daher lassen wir bei unserer Einrichtung unserer Kreativität freien Lauf. Und so sagen Möbel sehr viel darüber aus, wie die Menschen wirklich sind: Manche richten sich viel konservativer ein, als beispielsweise die Kleidung vermuten lässt oder umgekehrt.
Von Land zu Land verschieden. Es ist spannend zu erkennen, wie sich die Wohnstile in den verschiedenen Ländern und die Einstellung der Menschen zum Wohnen unterscheiden. Globetrotter können darüber Auskunft geben. So bettet man sein Haupt in Großbritannien, wenn man sich in einem Bed& Breakfast einmietet, meist in weiche Himmelbetten. Die Zimmer sind mit diversem Schnickschnack dekoriert, oder sollte man sagen überladen? Hier fühlen sich Romantiker wie zuhause. Im Norden Europas (zum Beispiel Holland)verzichtet man gerne auf Vorhänge, auch wenn sich das Wohnzimmer direkt hinter den großen Glasfassaden befindet. Darin dominieren oft wuchtige, dunkle Ledersofas. Und wer von uns liebt nicht den mediterranen Einrichtungsstil mit den warmen Terrakotta-Farben und den hellen Möbeln?
Die Kunst des Feng-Shui. Oder denken wir an den asiatischen Raum: Hier hat sich über Jahrhunderte ein bestimmter Wohnstil erhalten. Das ist aber nicht zuletzt dem Feng-Shui zu verdanken. Dieser Einrichtungsstil - der eigentlich ja eine Lebensanschauung ist - erfreut sich auch im Westen seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Feng-Shui heißt "das Muster von Wind und Wasser" und ist die Kunst und Wissenschaft vom Leben in Harmonie mit der Umgebung. Im asiatischen Raum werden aber nicht nur Wohnungen nach der Feng-Shui-Lehre errichtet, die Chinesen bauen seit Jahrhunderten ihre Städte danach. Und auch nach dem Tod vertrauen sie auf diese Lehre der Harmonie und suchen sich ihre Begräbnisstätte mit Hilfe von Feng-Shui-Experten aus. Heute gehört Feng-Shui in Hongkong, Taipeh, Singapur und anderen großen fernöstlichen Städten zum Alltagsleben. Bei der Standortbestimmung von Büros und Geschäften werden Feng-Shui-Meister konsultiert. Hausbesitzer suchen oder bauen ein Haus nach Feng-Shui-Prinzipien, das soll der Familie zu Gesundheit und Wohlstand verhelfen.
Feng-Shui zählt zu den ältesten praktischen Künsten der Menschheit. Die Ursprünge können auf die Schamanen des alten China zurückgeführt werden. Taoistische Meister, Wahrsager und Gelehrte trugen zur Verbreitung und Entwicklung bei. Heute gilt Feng-Shui als eine der fünf großen praktischen Künste des Taoismus.
Und wie sieht die alte Lehre von Feng-Shui auf unser modernes Leben übertragen aus? Wir können sie durchaus für uns nützen, es gibt viele Möglichkeiten, unsere Wohnungen durch Feng-Shui besser zu gestalten. Besonders wichtig ist zum Beispiel nach Meinung der Feng-Shui Meister, genug Licht in unsere vier Wände zu bringen und den Energiefluss zu fördern. Bücher und Seminare helfen, das Haus oder die Wohnung nach Feng-Shui-Richtlinien zu gestalten. Aber eines sollten wir nicht vergessen: Wir verbringen oft mehr Zeit im Büro als zuhause - also auch den Schreibtisch am Arbeitsplatz so gestalten, dass wir uns wohlfühlen und positive Energie fließen kann. Vor allem in Großraumbüros sollte man sich seinen Platz so arrangieren, dass die eigene Individualität nicht verloren geht. Blumen, Bergkristalle oder Fotos der Familie verleihen dem nüchternen Schreibtisch Leben und machen die Arbeitsatmosphäre angenehmer.
Egal, ob man sich seine vier Wände nun nach Feng-Shui-Richtlinien, im mediterranen Stil oder mit Omas antiken Möbeln einrichtet, man sollte in Sachen Einrichtungsstil immer seinem Bauchgefühl vertrauen. Nur dann kann man sagen: "My home is my castle!"
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