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Zeigen wir den Stinkefinger!

Von Edwin Baumgartner

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Jetzt fliegen sie wieder, diese Mikroviecher, diese Bazillen, Viren, Bakterien und wie die ganze mikroskopische Menagerie noch benannt ist, und lösen Schnupfen aus und Grippe und lauter Zeug, das die Vitamin-C- und Nasenspray-Hersteller zum Jubeln bringt.

Den Flug der Mikroben bekommt man am ehesten auf den sozialen Plattformen mit. Dort wird derzeit wieder massiv gegen das Impfen gewettert. Und weil es ein paar Ärzte gibt, die einzelnen Personen aus gutem individuellen Grund tatsächlich davon abraten, sich gegen Grippe impfen zu lassen, wird daraus eine Kampagne gegen das Impfen ganz allgemein. Zeigen wir der weltweiten Pharma-Verschwörung einfach den Stinkefinger. Grippe ist gut, Masern sind besser, wie gut muss erst Hepatitis B sein! Oder wie wär’s mit einem Wundstarrkrampferl?

Die Impfgegner verbreiten dabei eine derartige Unsicherheit, dass viele Menschen den Ärzten nicht mehr vertrauen. Was ungefähr vergleichbar ist jemandem, der sich bei einem Sturm auf hoher See eher auf Käpt’n Iglo verlässt als auf seinen Kapitän.

In Wahrheit verlassen sich auch die Impfgegner auf die Impfung - nur halt auf die Impfung der anderen. Wenn von 100 Personen 99 gegen Masern geimpft sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der eine nicht Geimpfte Masern bekommt. Das nennt man Herdenimmunität. Aber je mehr Schafe aus der Herde der Impfung den Stinkehuf zeigen, desto mehr freuen sich die Bakterienwölfe. Wollen schließlich auch ihr Vergnügen haben.

So gesehen sind die Impfgegner nur Mikrobenbespaßer.