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Zeit ist wie eine Uhr im Herzen

Von Eva Stanzl

Kommentare

Früher hatte fast jeder Ort seine Zeit. Wenn es in Bregenz noch 11:03 Uhr war, dann war es in Wien bereits 11:17. Erst die Eisenbahn brachte die Einheitszeit. Für überregional gültige Fahrpläne mussten die Bahnhofsuhren nach den Welt-Zeitzonen ticken. Für die Zeitgenossen war der Prozess eine "Vernichtung" von Zeit.


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Hatten die eine Ahnung. Heute sind wir zeitlich noch viel mehr gebunden. Arbeitgeber versuchen, höhere Gewinnspannen zu erzielen, indem sie die Arbeitzeiten verlängern, Überstunden nicht mehr bezahlen und die Löhne kaum erhöhen. Die Zeit, die wir mit Familie und Freunden verbringen, wird zerschnitzelt von längeren, intensiveren Zeiten zum Geldverdienen. Geburtenrückgänge und Mängel bei Kinderbetreuung, Pflege und Gesundheitsvorsorge sind die Folge.

Wie notwendig wären längere Zeiteinheiten, die wir selbst gestalten können. Damit sei nicht gemeint, dass alle in die Arbeit kommen, wann immer sie wollen. Oder einzig für sich selbst zu leben. Die völlige Eigenzeitlichkeit wäre keine Lösung. Denn eigenzeitlich geschrieben, wäre dieser Kommentar vielleicht heute nicht erschienen. Und eigenzeitlich Silvester zu feiern, hieße das Anstoßen mit Freunden zu verpassen. Dennoch spricht nichts gegen Gleitzeit in allen Firmen, besonders für Eltern, und die Vereinbarkeit von Selbstbestimmung und Zusammenleben. Denn Zeit ist wie eine Uhr im Herzen: Rechtzeitig will das getan werden, was uns persönlich wichtig ist.

Siehe auch:Zeit ist Leben und nicht Geld