Zum Hauptinhalt springen

Zellen zum Leuchten bringen

Von Eva Stanzl

Wissen

Krebs wird durch neue Diagnostik deutlich früher erkennbar. | Schnittbilder aus verschiedenen Winkeln in der Brustkrebs-Diagnose. | Wien. Anfang der 1970er Jahre gab es in Wien genau ein Computer-Tomografie-Gerät. Seit dem hat die Entwicklung der bildgebenden Verfahren wesentlich zum medizinischen Fortschritt beigetragen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Heute wird nicht nur jeder Knochenbruch radiologisch verifiziert, sondern mit bildgebenden Verfahren werden auch Operationen durch ambulante Eingriffe ersetzt oder können schmerzlindernde Medikamente in den Körper eingeschleust werden. Vor allem in der Diagnose und Behandlung von Krebs ist die Radiologie nicht mehr wegzudenken.

Heute, Donnerstag, beginnt der Europäische Radiologiekongress (ECR) in Wien. Das jährliche Treffen der Europäischen Gesellschaft für Radiologie - die am schnellsten wachsende medizinische Gesellschaft der Welt mit rund 46.000 Mitgliedern - bringt jährlich rund 18.000 Teilnehmer nach Wien. Doch was ist neu? Der Kongress befasst sich in erster Linie nicht mit Geleistetem, sondern mit Mankos in der Radiologie. Idealerweise sollte eine Diagnose 100-prozentige Sicherheit liefern. Doch Tatsache ist, dass es solche Tests noch gar nicht gibt.

Die Brustkrebs-Erkennung bedient sich etwa einer Vielzahl von Methoden: Mammografie, Ultraschall, Magnetsresonanztomografie und Biopsie. Nicht in allen Fällen reicht die Mammografie. "Einen Tumor bei einer jungen Frau mit dichtem Brust-Gewebe zu finden, ist wie wenn man einen Eisbären auf Eis suchen würde. Das gilt auch für Frauen zwischen 49 und 69 Jahren, die sich auf dem Altersgipfel für Brustkrebs befinden. Hier empfehlen wir die MRT", sagt Gerhard Mostböck, Vorstand des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie des Wilhelminenspitals.

Die MRT arbeitet nicht mit Röntgenstrahlung, sondern mit elektro-magnetischen Wellen. Dabei kann venös verabreichtes Kontrastmittel verwendet werden, um Tumoren leichter erkennen zu können. Bei nicht eindeutigen Befunden wird als weiterer Schritt eine bildgestützte Nadelbiopsie eingesetzt.

Auch neue technische Geräte bieten neue Möglichkeiten: Im Brustgesundheitszentrum der Medizinischen Universität Wien wird etwa mit einem Tomosynthese-Gerät gearbeitet. Es stellt viele Schnittbilder aus verschiedenen Winkeln des Körper-Inneren her und verarbeitet diese zu Schichtbildern. "So könnte die Mammografie revolutioniert werden - Brustkarzinome können besser dargestellt und so selbst kleine Karzinome früher erkannt werden", erklärt Thomas Helbich, stellvertretender Direktor der Universitätsklinik für Radiodiagnostik am AKH Wien.

Große Hoffnungen setzen die Radiologen in das sogenannte Molecular Imaging. Dabei steht nicht wie bei herkömmlichen Verfahren die morphologische Darstellung von pathologischen Prozessen, wie etwa Tumoren, im Vordergrund. Sondern "wir können damit Tumore schon im Sub-Millimeter-Bereich anhand des veränderten Stoffwechsels der kranken Zellen erfassen", sagt Mostbeck.

Veränderungen werden schon im molekularen Bereich dargestellt, bevor eine morphologische Veränderung überhaupt eintritt. In der Früh-Diagnose ist die Vision, kranke Zellen und sogar Moleküle zum Leuchten zu bringen.

PunkgenaueBehandlung

Bei größeren Tumoren kann mit Molecular Imaging die Ausdehnung eines Tumors und die einzelnen Krankheitsstadien besser dargestellt werden - was eine maßgeschneiderte Kres-Therapie ermöglichen soll.

"Je genauer die Tumorausdehnung bestimmt werden kann, desto punktgenauer die Behandlung", so Mostbeck. Auf diese Weise würde vermieden, dass jemand, der keine Überlebenschancen hat, noch operiert wird und könne man besser erkennen, welche Strahlentherapie in welchem Ausmaß effektiv ist. Allerdings befindet sich die Methode in vielen Bereichen erst im Forschungsstadium. Österreich hat eine der höchsten Krebs-Überlebensraten der Welt.