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Zieht ein "Bruni-Gate" herauf?

Von WZ-Korrespondentin Birgit Holzer

Europaarchiv

Frankreichs Präsidentengattin wehrt sich gegen Vorwürfe wegen Stiftung.


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Paris. Ist es ein "Carla-Gate", wie französische Medien in Anspielung auf die Watergate-Affäre schreiben, das Frankreichs Première Dame ins Zwielicht bringt? Oder die Medienkampagne einiger Neider, die ihr schaden wollen, während sie Gutes tut? Die linksgerichtete Wochenzeitung "Marianne" sieht Carla Bruni-Sarkozy mit ihrer Stiftung "Fondation Carla Bruni-Sarkozy" bereits im "Herzen eines internationalen Skandals".

Erstes Ziel der Organisation ist der Kampf gegen Analphabetismus und für freien Zugang zu Bildung und Kultur; als offizielle Botschafterin des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose engagiert sie sich zudem auch gegen die Immunschwächekrankheit, an der ihr älterer Bruder gestorben ist. Doch gerade sie, die seit ihrer Heirat mit Präsident Nicolas Sarkozy so viel von sich reden mache, sei mehr als diskret hinsichtlich ihrer karitativen Tätigkeiten, ihrer Aktion und Nicht-Aktion, bemerkt "Marianne" spitz. Aus gutem Grund?

Wie das Magazin erfahren haben will, sollen auf Brunis Betreiben hin 3,5 Millionen Dollar "am Rande der Legalität" und ohne Ausschreibung vom Globalen Fonds an Anti-Aids-Programme geflossen sein, die einer ihrer Freunde koordiniert - der Musiker Julien Civange, der zugleich Brunis Berater und Trauzeuge ist, offiziell in ihrer Stiftung mit arbeitet und über ein eigenes Büro im Élysée-Palast verfügt. Er hat die Kampagne "Born HIV-free" (HIV-frei geboren) betreut, mit deren Hilfe die Übertragung des Virus von Müttern auf ihre Kinder bei der Geburt gestoppt werden soll und die Bruni selbst beworben hat.

Geldfluss im Zwielicht

Aufgrund des Skandals um die angeblich nicht ordnungsgemäß vergebenen Gelder müssen dem Medienbericht zufolge der französische Botschafter und demnächst auch der Generalsekretär der internationalen Vereinigung, Michel Kazatchkine und Patrice Debré, ihre Posten räumen. Beide widersprechen dieser Darstellung. Der Globale Fonds nennt den Artikel "inexakt und irreführend"; beispielsweise habe es sich bei der Summe für das Projekt "Born HIV-free" nur um 2,8 Millionen Dollar gehandelt.

Auch Bruni selbst, die vor kurzem zum zweiten Mal Mutter geworden ist, weist die Anschuldigungen als "unbegründete Unterstellungen" zurück. Ihre Stiftung habe nicht einen Cent vom Globalen Fonds erhalten und dessen "sehr strikte Verfahren" und Regeln stets respektiert, erklärt sie. Die Zeitung "Libération", die regierungskritisch und grundsätzlich nicht der Bruni-Bewunderung verdächtig ist, unterstreicht, Experten zufolge habe sie einen großen Einfluss auf ihren Ehemann, damit Frankreich seine Subventionen an den Globalen Fonds von 350 Millionen Euro jährlich nicht einkürzt. Und das in einer Zeit, in der dieser mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen habe.

Dennoch haftet der französischen Präsidentengattin, die in den 80er Jahren als Topmodel und später als Chanson-Sängerin bekannt geworden ist, der Ruf an, eine "Kaviar-Linke" gewesen zu sein - zumindest bevor sie, die in linksintellektuellen Künstler-Milieus zu Hause war, einen bürgerlich-konservativen Politiker geheiratet hat. Geschickt im Umgang mit der Öffentlichkeit, nutzte Bruni die Aufregung, um für ihre Aktion zu werben und ihren Mitarbeitern zu danken. "Ich hoffe, dass wir weiterhin aktiv, kreativ und Hoffnungsträger bleiben."