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Ziemlich gut . . . und schwach

Von Reinhold Aumaier

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Ziemlich gut, wie Heinz Filges in den "Radiogeschichten" am Mittwoch Virginia Woolfs Erzählung "Das Vermächtnis" vorgetragen hat. - Ziemlich schwach: die zunehmende Unart, Musik im Rahmen der Ansage zu erklären bzw. eine Hörempfehlung abzugeben. Vor kurzem "versprach" uns eine "Pasticcio"-Dame ein "Lied zwischen Jazz, Musical und Kunstlied". Fachidiot, der man ist, hörte man dann, derart vorprogrammiert, drei Musikrichtungen und nicht den armen, schubladisierten Song.

Ziemlich gut - die Sparten "Glamours" und "Close-up" gegen 19 Uhr auf FM4. Da entzückt Gerlinde Lang mit einem kleinen Modetratsch auf höchstem Niveau; hat Meinungen, die sie ungeschminkt vertritt. Dort gibt es Pointiertes über neue Filme zu hören. Da wird schlüssig informiert und beurteilt. Für einen äußerst ungustiös sein müssenden Teenager-Streifen gab es vorgestern "1 Pampers-Packung von 20 möglichen". Schrott bleibt Schrott und muss als solcher gebrandmarkt werden dürfen. - Ziemlich schwach, wenn, wie gestern bei Radio Stephansdom, zwischen passender Weckmusik von Satie und Scarlatti der Befehlston angeschlagen wird: "Bleiben Sie dran!" Mit Sicherheit nicht, liebe Leut', wenn man uns der(un)artig kommt.

Ziemlich gut - das "Salzburger Nachtstudio" zum 100er von Sir Karl Popper, den Prediger der "offenen Gesellschaft". - Ziemlich daneben kürzlich die "Seitenblicke" im Bericht über den Dirigenten D. Bernet; einer aus der Klasse "ferner dirigieren". Da fiel der Satz: "Der Bua aus Ottakring genießt als Weltstar die Natur."

ORF + Titelsucht + Protzerei oder Wer Weltstar ist, erklärt (uns) der Küniglberg.