PodcastLokalaugenschein auf der Baustelle des neuen Krankenhauses Nord - um 95 Millionen Euro teurer als geplant.
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Wien. "Die Menschen werden immer älter und auf das müssen wir Rücksicht nehmen", sagt Albert Wimmer, der verantwortliche Architekt des Krankenhauses Nord im Rahmen einer Baustellenbegehung gestern, Dienstag, zur "Wiener Zeitung". Er steht auf der Piazza, dem großen Platz vor dem Eingang des neuen Krankenhauses, wo schwammerlähnliche Objekte stehen und viele Bäume eingesetzt werden sollen. "Die meisten Plätze sind zu heiß. Wir sorgen für Sonnenschutz", sagt der Architekt. Hinter ihm liegt die stark befahrene Brünner Straße samt S-Bahn-Station, vor ihm das im Bau befindliche Krankenhaus Nord, nicht weniger lärmend.
Das neue Krankenhaus im 21. Bezirk soll Europas modernster Spitalsbau werden. "Wir integrieren das Spital in die städtische Infrastruktur", so Wimmer. Die früher gebauten Spitalsmauern sollten fallen und damit auch Ängste abgebaut werden.
Zwischen 500 und 700 Arbeiter sind pro Tag am Werk. 35.000 Pläne wurden bereits gezeichnet. Nun hat der Innenausbau begonnen und die Haustechnik wird installiert. Kabeln hängen von der Decke, in dicken schwarzen Rohren wird Baumaterial befördert. Im großen Eingangsbereich warten zwei fertige Rolltreppen.
Fehler in der Statikberechnung
Weiter geht es zur Rettungseinfahrt, die abseits des allgemeinen Eingangsbereichs liegt. Das beuge Gaffern vor, sagt Udo Janßen, Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Von der Notaufnahme führen zwölf Aufzüge in die Operationsräumlichkeiten im ersten Stock. Auffallend ist, dass alle Räume mit hohen, großen Fenstern ausgestattet sind, auch der OP-Bereich. Das Spital setzt seine Schwerpunkte in der Unfallchirurgie, Orthopädie und Kardiologie. Die Herzabteilung wird vom Krankenhaus Hietzing ins KH Nord verlagert und die Orthopädie vom Spital in Gersthof.
Aber nicht alles ist bis jetzt nach Plan verlaufen. Vor einem Jahr tauchten Fehler in der Statikberechnung auf sowie der Konkurs einer Fassadenbaufirma. "Wenn nur ein kleines Teil still steht, steht alles still", so Janßen. Die Pläne mussten neu berechnet werden und es kam zu Verzögerungen, die nun Kosten verursachen. Statt der Eröffnung im Jahr 2016, wird das Spital nun voraussichtlich im Juni 2017 seine Pforten öffnen. Auch wird es um zehn Prozent und damit um gut 95 Millionen Euro teurer als geplant. Ursprünglich waren 954 Millionen Euro veranschlagt gewesen.
Die Hälfte der Mehrkosten will sich der KAV zurückholen. "Etwa die Hälfte der Mehrkosten können wir einem Verursacher zuordnen. Daher gehen wir davon aus, dass sie durch Schadensersatzansprüche an den KAV zurückfließen", erklärte Thomas Balazs, stellvertretender Generaldirektor des KAV. Bisher habe man bereits zwölf Versicherungsmeldungen sowie eine Feststellungsklage gegen die Firma, die fehlerhafte Statikberechnungen angestellt hat, eingereicht. Die Spitalskosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf 1,049 Milliarden Euro.
Die Verzögerungen liege nicht in der Verantwortung des KAV, betonte Balazs. Derzeit läuft ein Clearing-Verfahren mit den Firmen, die für den Einbau der Haustechnik verantwortlich sind. Es soll im Sommer abgeschlossen sein und nicht nur den endgültigen Schaden beziffern, den die Haustechnikfirmen aufgrund der Verzögerungen geltend machen, sondern auch einen neuen verbindlichen Zeitplan fixieren.
Doch diese Sorgen tangieren Architekt Wimmer wenig. Er verfolgt das Konzept des "Wohlfühlspitals". Ein Spital der kurzen Wege, wo sich vor allem ältere Menschen gleich alles besorgen könnten, was sie nach einem Spitalsaufenthalt bräuchten. Vor allem die Natur spielt aber eine große Rolle. So werden rund 50 Nistplätze für Vögel am Spitalsgelände geschaffen. Nicht nur Hubschrauber, sondern auch Turmfalken, Schwalben und Mauersegler sollen am Gelände landen. Auch wird ein "waldähnliches Habitat" entstehen. Die Patienten, die in Ein- bzw. Zweibett-Zimmern untergebracht sind, haben eine Aussicht - auf den Kahlenberg, den Leopoldsberg, den Bisamberg.
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