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Zirkusluft hautnah

Von Alexandra Grass

Reflexionen

Ist der Zirkus in der Stadt, strömen viele begeisterte Kinder in die Vorstellungen. Oft entsteht der Wunsch, das auch einmal ausprobieren zu wollen. Was viele nicht wissen: Zirkuskurse werden das ganze Jahr über angeboten.


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Wenn der Turnsaal mit Trapez, Einrädern, Jonglierbällen und -tüchern, Pedalos und gespannten Seilen angereichert wird, heißt es wieder einmal: Die Zirkusvorstellung kann beginnen. Schon in der Garderobe wurlt es vor kleinen und großen Lernwilligen, die aufgeregt ihrer Kursstunde entgegenfiebern. Denn das Üben am Einrad, Trapez oder Seil macht allen sichtlich großen Spaß. Auch wenn es sehr lange dauert, bis so manche Übung wirklich gut gelingt, ein Aufgeben gibt es nicht, dazu ist der Ehrgeiz viel zu groß.

Erfolg für jeden

Im Gegensatz zur gewöhnlichen Turnstunde, wo meistens nur die Sportlichsten brillieren, ist in einer Zirkusstunde "für jeden etwas dabei, auch für jene, die nicht der körperlichen Idealform entsprechen", erklärt der Trainer Daniel Gajdusek-Schuster alias Daniel Morelli. Die große Auswahl an Zirkuskunststücken bietet eben allen die Möglichkeit, Erfolg zu haben. Von der Tücherjonglage bis zum Einradfahren. Allen voran steht die Freude an der Bewegung.

Der Zirkus ist kein Mannschaftssport, aber trotzdem zählt auch sehr stark die soziale Komponente. Man muss aufeinander Rücksicht nehmen - etwa beim Bilden von Menschenpyramiden. Die Stärkeren - also jene, die beim Wettrennen oft die Letzten sind - bilden dann die Stütze der Gruppe, was neue Erfolgsmöglichkeiten eröffnet.

Große Vielfalt

Allen voran steht die Freude an der Bewegung mit dem Fokus Zirkus. Die österreichischen Kinderzirkusse setzen auf eine Vielfalt der Angebote. Die Tücherjonglage etwa bildet, weil langsam, bunt und ansprechend, einen guten Einstieg für Kinder in die Kunst des Jonglierens. Schwieriger wird es dann schon bei der Tellerbalance, dem Fahnenschwingen oder dem Diabolo. Erst mit sieben oder acht Jahren lernen die Kinder, mit Bällen zu jonglieren.

Beim Jonglieren wird die Auge-Hand-Koordination geschult. Dabei kommt es zu einer Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit, weil beide Gehirnhälften gleichzeitig aktiv sein müssen. Jonglieren funktioniert allerdings nur dann, "wenn ich ganz da bin", erklärt Daniel Gajdusek-Schuster.

Als gute Vorübung zum Einrad dient das Pedalo. Hier tritt man stehend kräftig in die Pedale und bewegt sich auf kleinen Rädern vorwärts. Dieses Gerät ist auch schon für Kindergartenkinder geeignet.

Trapez und Seiltanz

Großen Andrang gibt es beim Trapez. Die Kinder klettern auf einen Kasten, ergreifen die Trapezstange und schwingen hin und her, um sich schließlich auf einer dicken Turnmatte fallen zu lassen. Schaukeln ist der Urreiz, den schon Ungeborene im Mutterleib erfahren und regt besonders das Gedächtnis an.

Beim Seiltanz - im Turnsaal ist das Seil natürlich nur etwa 30 Zentimeter über dem Boden gespannt - ist der ganze Körper massiv gefördert. Hier kommt es auf eine gute Gesamtkörperbalance an. Es geht dabei aber auch um eine gewisse Risikoerfahrung und das Einschätzen des eigenen Könnens.

Das Tolle am Zirkus ist, dass jedes Kind etwas für sich finden kann. Dabei geht es aber nicht um Wettbewerb mit anderen, denn man misst sich nur mit sich selbst.

Abschlussaufführung

Die meisten Kinderzirkusse bieten am Ende des Jahres eine Aufführung. Der in Baden beheimatete Circus Quer von Daniel Gajdusek-Schuster probt dafür ab Mai intensiv. Die größeren Kinder präsentieren sich am Trapez oder Laufrad. Die kleineren düsen mit dem Pedalo über die Zirkusbühne. Eine Menschenpyramide rundet das Programm ab.

So mancher Zirkus, wie etwa der Zirkus Federleicht, bietet auch ein Sommercamp an. Die Kinder können dabei täglich trainieren und sich so die Künste aneignen. Wer mit der Zeit allerdings mehr Zirkusluft schnuppern will und sich der Artistik mitunter auch beruflich widmen will, ist in Österreich weniger gut bedient. Denn professionelle Zirkusschulen mit Vorbereitung auf eine Artistenlaufbahn gibt es hier nicht. Interessierte müssen da schon etwa ins benachbarte Ungarn auswandern.

Zirkuskurse und Sommercamps

Circus Luftikus

www.juvivo.at/circusluftikus.aspx

Tel: 0664/433 44 79

Zirkusschule Kaos

www.kaos.at

Tel: 0650/278 96 55

Daniel Morelli

www.morelli.at

Tel: 0664/531 05 42

Zirkus Federleicht

www.zirkusfederleicht.at

Tel: 0664/477 79 84

Kinder circus Welt

www.mamizi.at

Tel: 0676/306 95 61

www.vhs.at

Tel: 01/893 00 83