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Zivilcourage ante portas?

Von Reinhold Aumaier

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Das Befehlen und Gehorchen, das Hündisch-Feige, das Kuschen, das Zubeißen und -schlagen aus heiterem Himmel . . . Es ist kein Wunder, dass zwei miteinander einiges gemein habende Themen das Sommerloch füllen: (Kampf-)Hunde und Neonazi-Gesocks.

Die Medien nutzen ihre Chance. Alles ist vertreten: von der plakativen Schauergeschichte bis zur hochqualifizierten Diskussion. Letztere lieferte am Montag Bayern 3. In der "Münchner Runde" kamen unter dem Aufhänger "Rechter Terror - sind wir hilflos?" ein Verfassungsschützer, ein Politikwissenschaftler, ein Jugendforscher, ein Medienanwalt sowie ein farbiger Entertainer zu Wort. Einige Kurz-Schlüsse: begründbare und in der Folge nicht oder zu spät umgeleitete Aggressionen tauchen oft schon im Kindergarten auf, das Internet ist eine weidlich genutzte Spielwiese und . . . es muss was g'scheh'n. Passiert ist auch vor kurzem hierzulande wieder einmal was. In ORF 2 stellte "Thema" den Fall des vor gaffender Menge am Rathausplatz von Skinheads tätlich angegangenen (farbigen) Österreichers A. S. nach. Ein gespenstischer Spuk. Das i-Tüpferl allerdings fiel gleichsam nebenbei ab: der verbale Angriff ("Negerhure" usw.) einer nicht gerade atypischen Wienerin auf die weiße Frau des Mister S. - große Gosch'n und das Hundsviech (ohne Leine) mit dabei.

Das Hündische, das Feige und das dazugehörige Gekläff - es scheint mir das Grundübel zu sein für vieles Faule im mittleren Europa anno Domini 2000. Neben den Medien und der Staatsgewalt ist vor allem der Einzelne gefordert. Denn ohne Zivilcourage ist bereits vor 65 Jahren alles Erdenkliche schief gelaufen - und das Unfassbare konnte gescheh'n.