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Zu schwarz für Algerien?

Von Alexander U. Mathé

Kommentare

Eine Schönheitskönigin ist nach ihrem Sieg mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert.


Khadija Benhamou ist eine Schönheit. Wobei das mit dem Schön ja grundsätzlich so eine Sache ist. Was für den einen ein bezauberndes Wesen ist, hält der andere für eine hässliche Hexe. Im Fall von Benhamou sollte es wiederum eigentlich keine Zweifel geben, denn die 26-Jährige wurde vergangene Woche zur Miss Algerien gekürt. Dennoch ergingen sich im Anschluss daran viele Menschen in Beleidigungen und Herabwürdigungen. Benhamou sehe aus wie der brasilianische Fußballspieler Ronaldinho, hieß es etwa. Auch Vergleiche mit dem verstorbenen US-Sänger James Brown wurden gezogen. Wie gesagt: Schönheitsempfinden ist verschieden. Sieht man sich die Kommentare jedoch genauer an, bemerkt man, dass wohl etwas anderes hinter den degradierenden Postings steckt, als ein eigenes ästhetisches Empfinden. "Sie ist keine algerische Schönheit", heißt es in einem Tweet, der Benhamou zwar Schönheit, aber eben nicht der algerischen Sorte zugesteht. Das führt schon eher zu des Pudels Kern: Benhamou ist vielen Algeriern zu schwarz. Oder wie es ein weiterer Kommentator ausdrückt: "Sie ist nicht hellhäutig genug." Benhamou kommt aus der subsaharischen Region Adrar, deren Bevölkerung schwarzafrikanisch geprägt ist. Sie ist auch die erste Miss Algerien, die aus dieser Region kommt. Schwarzafrikaner sind in Algerien oft und offen mit Rassismus konfrontiert. In entsprechenden Studien ist das Land meist relativ weit vorne und belegte zuletzt den 16. Platz. Im Jahr 2017 gab es auf Twitter die Bewegung "Nein zu Afrikanern in Algerien" - was angesichts der Tatsache, dass Algerien in Afrika liegt, schon nach Selbstabschaffung klingt. Es waren Forderung wie "die Reinigung der Städte" von Schwarzafrikanern, zu lesen. Die Bewegung bezog sich zwar primär auf Immigranten aus der Subsahara-Zone, doch Algerier mit schwarzer Hautfarbe haben es ebenso so schwer. "Algerien hat eine große Vielfalt. Aber diese Diversität ist nicht in der Politik repräsentiert und auch nicht in den Medien ", schreibt die Online-Tageszeitung TSA in ihrem Leitartikel. Und so passt dann auch nicht eine Miss mit etwas dünklerer Hautfarbe ins Bild ohne Fragen wie: "Seid Ihr sicher, dass sie Algerierin ist" aufzuwerfen. Es fanden sich aber auch genug Menschen, die den Rassisten im Netz dagegenhielten. Mehr noch: Viele fordern nun ein Einschreiten von Regierung und Gesetzgebern, um dem Rassismus in Algerien entgegenzuwirken. Und Khadija Benhamou? Sie erklärte, die Sozialen Netze gar nicht anzusehen. Aber: "Möge Gott jenen, die mich kritisieren, den rechten Weg weisen. " Sie sei stolz auf ihre Identität und werde sich von den Kritikern nicht kleinkriegen lassen.