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Zu Tode gefürchtet ist auch schon gestorben

Von Christoph Rella

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Hut ab, wer aktuell ein Billett für einen Flug nach Brasilien in der Tasche hat - und dieses in den kommenden Wochen tatsächlich auch benutzen möchte, um bei dem am 12. Juni beginnenden WM-Spektakel live dabei sein zu können. Nur, ob das da unten wirklich so lustig wird, wie man sich das vielleicht vorstellt, ist angesichts der zahlreichen Warnungen und Hinweise, die etwa das Außenministerium auf seiner Webseite gesammelt hat, eher zu bezweifeln.

Das fängt schon bei der Ankunft am Flughafen an, wo "Touristen" - das Wort Fußball-Fan wird aus welchem Grund auch immer vermieden - unter anderem von korrupten Grenzbeamten (die angeblich bei der Visa-Erteilung manipulieren, um dann bei der Ausreise kassieren zu können), betrügerischen Geldwechslern und falschen Taxlern erwartet werden. Genauso wenig Gutes verspricht die nachfolgende Fahrt in die Stadt, besteht doch hier die Gefahr - vor allem, wenn man nach 20 Uhr unterwegs ist -, bei der ersten Kreuzung ausgeraubt zu werden. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Gewarnt wird vor praktisch allem: vor Demos,

Ausschreitungen, Drogenbanden, Verkehrschaos, Sprachbarrieren, Wetterkatastrophen und Malaria.

Aber was, wenn das alles so nicht stimmt? Wer wie der Autor dieser Zeilen schon einmal in Brasilien war, weiß, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Denn wo Schatten sind, da ist auch viel Licht. Ob die Gastfreundlichkeit der Pousada-Mama in Rio, die Hilfsbereitschaft des Polizisten in Florianopolis, die Friedlichkeit der Pilger im Marienwallfahrtsort Aparecida oder der Schmäh der Surflehrer an Recifes Küste - das südamerikanische Land hat auch ein anderes Gesicht als jenes, das von ihm in Europa gezeichnet wird. Und dieses Gesicht der Lebensfreude und Begeisterung werden die Brasilianer auch in den kommenden Wochen - und das vielleicht noch mehr als sonst - den anreisenden Fans zeigen.

Den Hausverstand sollte man trotzdem mit im Gepäck haben - und sich nicht wie der blödeste Gringo (Goldkettchen kombiniert mit Alkohol) aufführen. Dann besser den Flugschein zerreißen.