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Zu viel CO 2 auch vom Himmel her

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Alle Flüge aus Europa betroffen. | EU sieht Kyoto-Ziele durch mehr Flugverkehr in Gefahr. | Brüssel/Straßburg. Die EU-Kommission geht in die Offensive. Um die Fluggesellschaften zu einer Verringerung ihres Kohlendioxidausstoßes anzuhalten, sollen sie wie Industriebetriebe in das europäische Schema zur Emissionsbegrenzung aufgenommen werden. Dabei wurden bisher Zertifikate für eine bestimmte Treibhausgasmenge zugeteilt. Nutzen die Betriebe ihr Kontingent nicht aus, so können sie den Rest verkaufen. Jene, die ihre Grenzwerte nicht einhalten können, müssen die teuren Genehmigungen von ihren umweltschonenderen Kollegen erwerben. Dieses System soll maßgeblich zur Erreichung der Kyoto-Ziele beitragen.


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Der bisher von der Regelung verschonte Flugverkehr produziert zwar nur rund drei Prozent der weltweiten Treibhausgase. Aber der Ausstoß steige hier schneller als in anderen Branchen, warnt die Kommission. So seien die Emissionen in internationalen Flügen von 1990 bis 2003 um 73 Prozent gestiegen. Diese Steigerung könnte sich bis 2012 auf 150 Prozent erhöhen. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der boomende Flugsektor möglicherweise mehr als ein Viertel der acht Prozent von Treibhausgasen verursachen, dies es laut Kyoto bis 2012 zu reduzieren gilt.

"Durch die Ausweitung des Emissionshandels auf den Luftverkehr lassen sich die Emissionen begrenzen, und es kann gewährleistet werden, dass der Luftverkehr wie andere Sektoren einen Beitrag leistet", sagte Umweltkommissar Stavros Dimas in Straßburg. Das sollte "zum niedrigstmöglichen Preis" erfolgen.

Teurere Tickets?

Nach Kommissionsschätzungen dürften Tickets pro Flug dadurch nicht mehr als um neun Euro teurer werden. Effizienter agierende Linien könnten sogar günstiger anbieten. Marktanreiz sei die zentrale Komponente des Konzepts. Da die Maßnahmen auch Fluglinien aus Nicht-EU-Ländern treffen, sieht Brüssel keine Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten europäischer Linien.

Wie genau die Zertifikate zugeteilt werden und welche Preise sie haben könnten, sollen Experten bis Mitte 2006 klären. Dann steht auch die allgemeine Revision des gesamten Emissionshandelssystems an. Frühestens 2009 könnte die Richtlinie für den Flugverkehr in Kraft treten.

Die AUA hält die Maßnahme für "wohl unvermeidbar" und noch die "verträglichste" aller Varianten. Zur Diskussion standen nämlich auch eine Kerosinsteuer oder Abgaben direkt auf Flugzeugtickets.