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Zu viel Kalzium erhöht das Herzinfarkt-Risiko

Von Adrian Lobe

Wissen
Täglich ein Liter Milch deckt den Tagesbedarf an Kalzium. Foto: Fotolia

Forscher warnen vor Überdosierung des Vorbeugemittels gegen Osteoporose. | Wirkung von Kalzium begrenzt. | Stuttgart. Kalzium gilt als Vorbeugemittel gegen die Knochenkrankheit Osteoporose. Der Mineralstoff stützt die Knochen. Doch jetzt haben Wissenschafter herausgefunden, dass seine Wirkung begrenzt ist. Mehr noch: Er erhöht das Risiko für Herzkrankheiten.


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Neuseeländische und US-Forscher haben mehrere Studien mit insgesamt 12.000 Testpersonen ausgewertet und ihre Analyse im "British Medical Journal" veröffentlicht. Demnach steigt bei der Einnahme von Kalzium-Präparaten das Herzinfarktrisiko um bis zu 30 Prozent. Besonders betroffen sind Frauen in den Wechseljahren und Männer ab 60. "Die Resultate belegen, dass der Einsatz von Kalzium bei der Behandlung von Osteoporose überdacht werden muss", heißt es.

In Forscherkreisen kommt die Aussage einer Revolte gleich: Erstmals ziehen Wissenschafter die positiven Effekte des Mineralstoffes in Zweifel. Zwar könne die genaue Wirkung auf die Herz-Region noch nicht präzise identifiziert werden. Klar sei aber, dass ein Zusammenhang zwischen nachhaltiger Überdosierung und gesteigertem Infarktrisiko bestehe.

Der Rheumatologe Roland Charpurlat von der Universitätsklinik Lyon ist der Ansicht, dass Kalzium-Additive häufig gar nicht nötig sind: "Die Ergänzung mit Vitamintabletten erweist sich oft als ineffizient, weil die Patienten bereits ausreichend Nährstoffe über die Nahrung aufnehmen."

Wer täglich einen Liter Milch konsumiert, nimmt 1200 Milligramm Kalzium auf. Das entspricht dem Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen. Bei Frauen in den Wechseljahren kann der Verbrauch bei 1500 Milligramm pro Tag liegen. Auch über das Trinkwasser nehmen wir Kalzium ein: Ein Liter Mineralwasser enthält durchschnittlich 300 Milligramm. Bei einem täglichen Flüssigkeitsbedarf von zwei Liter Wasser wäre die nötige Dosis also bereits zur Hälfte erreicht.

Tabletten nur bei Mangel

Experten raten daher zur Zurückhaltung mit Kalzium-Präparaten, wie etwa Brausetabletten. Nur bei akutem Kalzium-Mangel rät Charpurlat zur Einnahme von Kalzium-Konzentraten in Verbindung mit Vitamin-D-Tabletten. Vitamin D sei notwendig für die Aufnahme von Kalzium und erleichtere die Verdauung.

Warum aber erkranken Menschen an Osteoporose, obwohl sie genügend Kalzium über Nahrung und Wasser zu sich nehmen? Meist ist ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren erforderlich. Die optimale Knochenmasse ist vom Alter abhängig und von der hormonellen Zusammensetzung im Körper: 80 Prozent aller Osteoporosen betreffen postmenopausale Frauen.

Eine ausgewogene Ernährung gilt als beste Vorbeugung. Neben Kalzium sind jedoch auch Vitamin K, die Vitamine C und E, Zink, Mangan und Fluor am Knochen-Aufbau beteiligt und für Knochendichte und Knorpelgewebe verantwortlich. "Es gibt 100 Gründe für Knochenschwund", sagt Josef Penninger vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien. Darunter auch das Protein Rankl, ein Knochenabbau-Faktor.