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Zu viele Betten oder zu wenig Gäste?

Von Beatrix Neiss

Wirtschaft

"Wien als Tourismusstandort muss sich international besser vermarkten", ist die Generalsekretärin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Elfriede Krempl, überzeugt. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zeichnet sie ein eher düsteres Bild von Seiten ihrer Interessensvertretung: "Im Euroland liegt Wien an drittletzter Stelle in Bezug auf Preisniveau und Nächtigungen." Nur Lissabon und Salzburg finden sich im Städtevergleich auf schlechteren Plätzen wieder.


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Es sei erstaunlich, wie facettenreich Branchenkennzahlen gelesen werden können. "Gerade im Tourismus jongliert man gerne mit so genannten Rekordergebnissen, ohne sich über die Aussagekraft so mancher Zahl näher zu informieren" versucht Krempl die Problematik herauszuarbeiten.

Was bedeuten - aus Branchensicht - nun konkret die gängigsten Zahlen für Wien?

Die "Bettenauslastung" wird im Verhältnis zu den gesamten, in Wien zur Verfügung stehenden Betten angegeben. Diese Zahl beträgt 55% und steht der so genannten "Zimmerauslastung" gegenüber. Diese wird in Bezug gesetzt zu den gesamt verfügbaren Zimmern - und liegt österreichweit bei ca. 72 %. Für das Jahr 2000 beträgt diese Kennzahl in Wien 69,7% und erreicht mit Salzburg "das schlechteste europäische Ergebnis".

Zum Verständnis: "Wir dokumentieren alle verfügbaren Zimmer und analysieren, welche wirklich besetzt sind". D.h. - im Falle eines Kongresses mit 500 Personen - wird ein Hotel mit 500 Zimmern und 1.000 Betten gebucht. Das Hotel ist offensichtlich voll. Obwohl nun eine "100%-ige Zimmerauslastung" gegeben ist, liegt eine nur "50%-ige Bettenauslastung" vor, weil in diesem Beispiel jedes Zimmer "mit einer Person belegt ist".

Elfriede Krempl vermutet als Grund für den "schlechten Wiener Wert", dass andere europäische Städte eine höhere so genannte "Wochenendauslastung" aufweisen.

Vergleicht man unter diesem Gesichtspunkt Wien mit etwa gleichgroßen Städten in Europa, ergibt sich folgendes Bild: Brüssel: 69,5%, Florenz: 77%, Venedig: 77%, Lissabon: 80%, Dublin: 78%, und Zürich liegt mit 82% Zimmerauslastung deutlich voran.

Eine weitere interessante Kennzahl bildet der "Bettenzuwachs" im Verhältnis zum "Nächtigungszuwachs." Und hier bringt es Elfriede Krempl auf den Punkt, wenn sie sagt: "Die zahlenmäßige Entwicklung zeigt eindeutig, dass Wien im Verhältnis zum Bettenzuwachs 300.000 Nächtigungen zu wenig aufweist."

Abgerundet wird das Bild durch eine Studie von Anderson Consulting (Dezember 2000), worin "Österreich, respektive Wien, als Schlusslicht Europas in Bezug auf die Preisgebarung" aufscheint. Als Verlierer gelten einerseits die heimischen Hotelbetriebe und andererseits diejenigen Branchen, die eng mit den Betrieben verbunden sind - wie Taxis, der Handel, Restaurants u.v.m.

"Wien könnte besser florieren" meint Krempl kämpferisch und erläutert kurz die Erwartungen der Mitgliedsbetriebe von der Hoteliervereinigung: "Wir sind einerseits eine freiwillige Interessensvertretung mit Lobbying im klassischen Sinn, die sich sowohl arbeitsmarktpolitisch als auch finanzpolitisch für ihre Mitglieder einsetzt. Andererseits wollen die Mitglieder auch einen direkten Nutzen sehen." Ein Erfolgsbeispiel ist, laut Krempl, die Durchsetzung eines so genannten Strompools bei verschiedenen Stromanbietern, damit nicht nur ein günstiger Stromtarif verrechnet wird, sondern darüber hinaus auch die Möglichkeit besteht, gewisse Rabatte zu erhalten. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht in der "Durchsetzung eines Telefonrahmenvertrages" mit Anbietern, wodurch ebenfalls bessere Konditionen für die Mitglieder ausgehandelt wurden.

Als "Zukunftsvision" bezeichnet die Generalsekretärin der Hoteliervereinigung insbesondere folgende Forderungen:

Eine attraktive Stadtbeleuchtung für den Ring als "Prachtstraße" inklusive einer Gebäudebeleuchtung für sämtliche Sehenswürdigkeiten, denn "Globetrotter" wollen auch in der Nacht eine Stadt aktiv erkunden. Parallel dazu müsste "eine rasche Bewusstseinsbildung bei allen Beteiligten" stattfinden, wobei vor Augen geführt wird, dass "Wien als europäische Einkaufsstadt dem Besucher offene Geschäfte und Kultur rund um die Uhr bieten muss, um international konkurrenzfähig zu bleiben."

Nächste Folge: Das Kummer - ein familiäres Hotel mit starkem Hintergrund