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Zuckerbrot und Peitsche für Stiftungen

Von Erich Wolf

Wirtschaft
Früher wurden Stifter mit Steuerersparnissen geködert - deshalb gibt es für sie jetzt ein Steuerzuckerl. Foto: bbox

Stiftungseingangs-steuer ab 1. August. | Steuerzuckerl für ältere Stiftungen. | Wien. Geschätzte 80 Milliarden Euro parken derzeit in österreichischen Privatstiftungen: Mit dem Auslaufen der Erbschafts- und Schenkungssteuer ab 1. August 2008 wird eine eigene Sondersteuer für Stiftungen eingeführt: Die Regierungsvorlage zum Schenkungsmeldegesetz 2008 sieht eine neue Stiftungseingangssteuer vor. Sie ist für Zuwendungen von Vermögen ab dem 1. August zu bezahlen und beträgt grundsätzlich fünf Prozent des gestifteten Vermögens.


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Eine Strafsteuer für 25 Prozent soll für Vermögenswidmungen an Stiftungen in Ländern gelten, mit denen die Republik Österreich keine umfassende Amts- und Vollstreckungshilfe abgeschlossen hat. Die Strafsteuer gilt ebenfalls, wenn eine Stiftung nicht mit einer österreichischen Privatstiftung vergleichbar ist oder wenn dem Finanzamt nicht alle Stiftungsdokumente offengelegt werden.

Mit der neuen Strafsteuer will der Fiskus offenkundig nicht offengelegte Schwarzgeldkonten besteuern. Keine Stiftungseingangssteuer fällt für bestimmte Zuwendungen an gemeinnützige Privatstiftungen an. Die Vermögenswidmung von in- oder ausländischen Sparbüchern und von Anteilen an Kapitalgesellschaften unter ein Prozent Quote ist ebenfalls befreit.

Flucht aus Mausefalle

Die neue Stiftungseingangssteuer ist das Pendant zur wegfallenden Erbschafts- und Schenkungssteuer. Wer eine Million Geldbetrag in eine Stiftung einlegt, muss 50.000 Euro Sondersteuer bezahlen. Wird Geld an die Begünstigten der Stiftung ausbezahlt, muss (wie bei einem Sparbuch) 25 Prozent KESt für die Vermögenszuwächse bezahlt werden. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts. Der Gesetzgeber hat allerdings Handlungsbedarf bei alten Stiftungen: Die Stifter wurden in die Stiftung mit dem Versprechen von hohen Steuerersparnissen bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer gelockt.

Nun fällt die Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer allerdings weg, das Vermögen ist in der Mausefalle Stiftung gefangen. Der Gesetzgeber möchte freilich Stiftungen nicht verärgern: Kein Stifter soll auf die Idee kommen, sein Vermögen in eine Steueroase ins Ausland zu transferieren.

Zuckerl für Bestehende

Darum hat der Gesetzgeber ein Steuerzuckerl für bestehende Stiftungen parat. Die bereits bezahlte Erbschafts- oder Schenkungssteuer wird zurück erstattet, und zwar im Wege einer Anrechnung auf die laufende Körperschaftsteuer. Die Steuerzuckerln bekommen die Stiftungen nicht sofort, sondern auf die nächsten zwanzig Jahre verteilt. Sie sollten daher in dieser Zeit ordentliche Gewinne erzielen, damit sie von der Anrechnung der Körperschaftsteuer profitieren können.

Holding-Privatstiftungen, die nur steuerfreie Dividenden aus Beteiligungsgesellschaften erzielen, bekommen (ohne Gestaltungsmaßnahmen) keine Steuerzuckerl. Die auf Stiftungsfragen spezialisierten Steuerberater wissen, wie man auch in solchen Fällen steuerliche Benefizien erlangt. Wer eine Stiftung gründen will, sollte schnell handeln: Die Rückerstattung gilt nur für die alten Erbschafts- und Schenkungssteuern bis zum 31. Juli 2008, nicht aber für die Stiftungseingangssteuern danach. Bei diesem Steuerzuckerl geht es vielfach um etliche Millionen Euro, sodass guter Expertenrat gefragt ist.

Erich Wolf ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Wien.