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Zukunft der Lehrerausbildung kann anders werden

Von Peter Slavin

Politik

"Ich danke dem lieben Gott für PISA." Paul Kral, Direktor des Pädagogischen Institutes der Stadt Wien, sieht dank der ernüchternden Resultate der PISA-Studie endlich die Zeit gekommen, "alte, verzopfte Strukturen gemeinsam aufzubrechen".


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Konkret geht es um die für 2007 geplante Schaffung der Hochschulen für pädagogische Berufe. Kral sieht hier die "Chance, die Zukunft der Lehreraus- und -fortbildung neu zu gestalten." Zwar lägen noch keine praktischen Entwürfe vor, doch diejenigen, von denen er gehört habe, gehen Kral "nicht weit genug". Vor allem stört ihn der Fokus auf die Ausbildung. "Wir denken viel zu eindimensional," erklärt Kral. "Wenn wir mit unserer Ausbildung fertig sind, glauben wir auch gleich ein Ticket fürs ganze Leben zu haben. Das kann nicht sein."

Lebenslanges berufsbegleitendes Lernen

Kral sieht im Konzept seines Hauses für die zukünftigen pädagogischen Hochschulen "einen neuen Ansatz, den ich in der Bildungspolitik noch nicht gehört habe." Kernstück dieses Konzeptes ist dabei ein Zwei-Säulen-System: einerseits Lehrerausbildung und andererseits lebenslanges berufsbegleitendes Lernen für Pädagogen, wobei "die jungen Leute mit den bereits berufstätigen Lehrern in der gleichen Bank sitzen und die gleichen Übungen bei den gleichen Professoren haben."

Für Kral wäre solch eine Konstellation nicht hoch genug einzuschätzen. "Der Austausch, der hier um null Euro stattfinden würde, wäre für beide immens wichtig: Die Jungen hätten den geforderten Bezug zur Praxis, die Berufstätigen könnten sich die neuesten Forschungsergebnisse aneignen." Überhaupt sieht Kral in einer Rückkehr berufstätiger Lehrer an die Hochschule nur Vorteile: "Heutzutage müssen Lehrer üblicherweise ihr Arbeitsleben lang im gleichen Schulbetrieb unterrichten. Wenn sie aus eben diesem etwa alle fünf Jahre heraus geholt werden, könnten sie auch wieder neue Ideen sammeln und neue Motivation schöpfen."

Ginge es nach Kral, sollten Junglehrer in der Warteschleife von der Fortbildung Alteingesessener profitieren. "Während sich die Lehrer an der Hochschule für pädagogische Berufe weiterbilden, nimmt in der Zwischenzeit ein Junglehrer ihren Platz ein - die billigste Vertretungsregelung."

Neue, moderne Studiengänge

Was die Studienstruktur anbelangt, so ist die Dreistufigkeit in Bakkalaureat, Master und Doktorat gesetzlich verankert, doch "gehen die Entwürfe, soweit ich sie kenne," so Kral, "nur bis zum Bakkalaureat", das einer Einführungsphase gleichkommt. Aber vor allem der Masterstudiengang ist Kral ein besonderes Anliegen. Hier sollten keinesfalls nur klassische Studiengänge (Volks-, Haupt-, Sonderschule, AHS) angeboten werden, denn "die Zeiten haben sich nun einmal geändert." Neue, den modernen Ansprüchen gerecht werdende Studiengänge müssten her, wobei Kral aus eigener Erfahrung spricht.

Der ausgebildete Volks-, Hauptschul- und AHS-Lehrer hat "auf der Uni nie etwas von Schulmanagement gehört, aber ich sitze heute da und muss den Job eines Direktors machen." Ein Studiengang Schulmanagement wäre aber nur ein Beispiel, Kral würde sich unter anderem auch Sonderschulpädagogik ("Wir haben leider viele Kinder aus zerrütteten Familien. Gäbe es an jeder Schule nur zwei Leute, die dafür ausgebildet wären, könnte das schon viel bewirken") oder Evaluierung ("Lehrer lernen Mathematik oder Geographie, aber nicht wie man einen Fragebogen erstellt") wünschen.

Von solch einer breiten Streuung verspricht sich Kral außerdem leichtere Umstiegsmöglichkeiten für Lehrer: "Vielleicht haben Volksschullehrer irgendwann keine Lust mehr auf die Volksschule und wollen Senioren unterrichten oder interessieren sich für Sozialpädagogik."

Kral geht mit seinen Forderungen aber noch einen Schritt weiter. "Warum kann an der Hochschule nicht zum Beispiel ein Personalchef ausgebildet werden? Eine Firma gliedert das Personalmanagement aus, die pädagogische Hochschule bietet das Know-how und erhält dafür ihr Honorar."

Auslandssemester für Lehrer

Am Herzen liegt Kral auch, kommenden Pädagogikstudenten Mobilität anzubieten. "Europäischer Bildungsraum ist durchlässiger Raum, aber von der Möglichkeit, ein ganzes Studiensemester außerhalb Österreichs machen zu können, höre ich in den Entwürfen noch lange nichts."

Für Kral wäre dies aber unverzichtbarer Bestandteil des Hochschul-Konzeptes. "Nicht nur wegen unseren vielen Migrationskindern. Wir lernen an den Unis, aber Erfahrungen sammeln wir landauf, landab. Es ist auch für Lehrer notwendig, andere Sprachen und andere Kulturbereiche kennen zu lernen."