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Zukunftssparte Cyber-Versicherungen

Von Andrea Möchel

Wirtschaft
Die Zahl der Cyber-Attacken nimmt zu, Unternehmen müssen sich stärker mit der Gefahr aus dem Internet auseinandersetzen.
© Fotolia/Fälchle

Die Digitalisierung beschert den Assekuranzen eine neue lukrative Versicherungssparte.


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Wien/Berlin. "Die Cyber-Risiko-Versicherung wird in zehn Jahren fixer Bestandteil des Versicherungsschutzes von Unternehmen und Privatpersonen sein", prophezeit Hermann Fried, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen Versicherung. Fried ist einer von mehr als 100 Versicherungsspezialisten, die vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG im Rahmen der Studie "Neues Denken, neues Handeln - Versicherungen im Zeitalter von Digitalisierung und Cyber" befragt wurden. Tenor der internationalen Experten: Die Digitalisierung berge enormes Potenzial für Versicherer, manche erwarten sogar ein "neues Zeitalter der Assekuranz".

Kosten und Nutzen

Tatsache ist, dass die Digitalisierung bereits zu einem entscheidenden Treiber in der Weiterentwicklung von Prozessen und Technologien bei Versicherungsunternehmen geworden ist. So werden bei Sachversicherungen bis ins Jahr 2020 rund 70 Prozent aller Vorfälle im Vertragsmanagement und etwa 45 Prozent in der Schadenbearbeitung vollständig automatisiert verarbeitet werden. "Wenn man über die sich bietenden Möglichkeiten der Digitalisierung spricht, muss aber auch die Kehrseite der Medaille betrachtet werden - die Zunahme von Cyber-Risiken", geben die Studienautoren Jörg Wälder und Markus Heyen zu bedenken. "Das birgt ein Gefahrenpotenzial, mit dem sich Versicherer zum Schutz des eigenen Unternehmens auseinandersetzen müssen. Die hierfür erforderlichen Maßnahmen werden Versicherern einige Kosten verursachen, die sich in der Ergebnisrechnung der Unternehmen wahrnehmbar niederschlagen dürften." Zum Glück stellen gerade diese Cyber-Risiken aber auch ein bemerkenswertes Wachstumspotenzial für Versicherer dar. "Während sonst im deutschen Schaden- und Unfallgeschäft kaum Wachstum zu erwarten ist, entsteht mit dem Bereich Cyber eine Sparte, die die Kfz-Versicherung in 20 Jahren als volumenstärkste Sparte ablösen kann", sind die KPMG-Experten optimistisch. "Diese Cyber-Sparte entwickelt sich mit einem jährlichen Prämienvolumen von bis zu 26 Milliarden Euro zur größten Versicherungssparte im Schaden- und Unfallgeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz."

Dynamische Entwicklung.

Derzeit verläuft die Entwicklung des Cyber-Versicherungsangebots in Österreich allerdings langsamer als bei den Nachbarn. Zum Vergleich: In der Schweiz lag das Cyber-Prämienvolumen Anfang vergangenen Jahres bei etwa vier Millionen Euro, in Österreich hingegen nur bei drei Millionen Euro. Deutschland verzeichnete Ende 2016 rund 100 Millionen Euro. Das sei jedoch kein Grund zur Sorge, denn laut KPMG wollen alle namhaften Anbieter binnen drei Jahren entsprechende Angebote auf den österreichischen Markt bringen. "Für Unternehmen wird eine Cyberversicherung zukünftig ein elementarer Bestandteil des Risikomanagements werden. Das betrifft nicht nur digitale Branchen, sondern ist vielmehr eine branchenübergreifende Tendenz", betont Robert Haider, Geschäftsführer der Vienna International Underwriters GmbH, der Versicherungsplattform der Vienna Insurance Group für Geschäftskunden. "Wir sehen daher ein erhebliches Wachstumspotenzial für den Cyberversicherungsmarkt in Österreich und CEE."

Demnach wird in allen Cyber-Kundensegmenten ein starkes Wachstum erwartet. Der mit deutlichem Abstand größte Anteil der zukünftigen Cyber-Prämien wird aber auf private Haushalte und kleinere Unternehmen entfallen. "Der Cybermarkt entwickelt sich von oben nach unten. Das heißt, zuerst kaufen große Industrieunternehmen Cyber-Deckungen, dann der Mittelstand und große Gewerbeunternehmen, später dann zieht der Absatz bei kleinen Gewerbeunternehmen und Privathaushalten an", so die KPMG-Studie. "Das heißt auch, dass wir eine Entwicklung von hochgradig individuellen Lösungen hin zu einem maximal standardisierten Massengeschäft erleben werden."

Eigene Cyber-Sparte.

Mit einer Deckung für Eigen- und Fremdschäden wird es zwei Hauptelemente des Cyber-Versicherungsgeschäfts geben. Als Vorbild zur Strukturierung dient dabei die Kraftfahrtversicherung mit Kasko- und Haftpflichtanteil. Der Idee, eine Cyberversicherung einfach im Rahmen der Sach- beziehungsweise Haftpflichtversicherung abzuwickeln, erteilen die Experten eine klare Absage: "Das erscheint uns bei diesem anspruchsvollen Geschäft als nicht zielführend."

Laut KPMG wird sich die Cyber-Versicherung voraussichtlich in den nächsten fünf bis sieben Jahren als eigene Hauptsparte neben Feuer- Kfz-, und Haftpflichtversicherung etablieren. "Selten hatten wir bei der Bearbeitung eines Themas so sehr das Gefühl, die Assekuranz an der Schwelle zu einer neuen Zeit zu sehen", lautet das Fazit der Studie. "Ohne Zweifel ist es ein langer Weg, denn Skills müssen erworben, Organisationen aufgebaut und Risiken akzeptiert werden. Aber am Ende wird sich diese Reise für alle Beteiligten gelohnt haben."